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alt-J-Frontmann Joe Newman bietet als JJerome87 ein gelungenes Solo-Album

Autor: Tobi

JJerome87 "The Canyon"

JJerome87

„The Canyon“

(Album, Mushroom Music, 2026)

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Joe Newman kannte man bisher als Frontmann der britischen Alternative-Folk-Pop-Band alt-J, die nicht nur in der Heimat erfolgreich ist, wo sie mit allen vier bisherigen Alben mächtig für Furore sorgte, mit dem Platin-dekorierten Debüt „An Awesome Wave“ den Mercury Prize gewann und mit dem zweiten „This Is All Yours“ aus 2014 sogar an die Spitze der Charts stürmte. Auch in den USA ging es hiermit in die Top-Five, und in Deutschland, Österreich und der Schweiz gab es ebenso Top-Ten-Platzierungen wie mit der letzten Scheibe „The Dream“ (lies unsere Rezension hier) aus dem Jahr 2022.

Nun beschert Newman unter dem Pseudonym JJerome87, das uns auch gleich sein Geburtsjahr verrät, das erste Solo-Album „The Canyon“ – wobei das „nun“ nicht ganz korrekt ist, veröffentlichte er die Scheibe doch bereits Ende 2025 exklusiv über seine Website als Download. Nun aber kann man sie digital im Stream und physisch auch flächendeckend erwerben – und es wäre auch schade gewesen, wenn sie unter dem Radar geblieben wäre.

JJerome87 (© Zachary Gray)

(© Zachary Gray)

Elf Songs sind auf 39 Minuten zu hören, in Los Angeles mit Produzent Carlos de la Garza (Paramore, The Linda Lindas), renommierten Studiomusikern aus der Stadt sowie drei Backgroundsängerinnen aufgenommen. Direkt nach der Fertigstellung von „The Dream“ begann Joe damit, persönliche Dinge in Musik zu verwandeln, wie die Geburt seiner Tochter im Jahr 2021. Diese schaut ihm nun auf dem von Künstlerin Sally Dunne gestalteten Cover zu „The Canyon“ über die Schulter.

Mit dem blueslastigen Kopfnicker „Mr. Alligator“, den er als dritten Appetitmacher vorausgeschickt hatte, wird das Album eröffnet. Klanglich erinnert das Ganze direkt an alt-J, die zwischen Folk und Pop stets weit abseits jeglichen Einheitsbreis liegen, oft gemütlich und getragen, aber auch mal eine Spur sperriger oder mit einer schrammeligen Rockgitarre, vor allem aber oft besondere Stimmungen erzeugend. Und doch klingt Newman als JJerome87 insgesamt anders als in Bandformation. Die Geschichte eines Hochstaplers erzählt er hier auf den Klängen einer „Double Dutch“-Seilspringgruppe aufbauend, wobei er auch selbst gesammelte Umgebungsgeräusche im Song verwendet hat.

Mit dem leicht berauscht mit ergänzenden Streicherklängen ins Ohr kriechenden „Green Velvet“ und dem elektronisch zwirbelnd gewürzten „Quaaludes“ geht es weiter, bevor eine feine „Interlude“ zum mit Strandklängen ganz besondere Stimmung erzeugenden „Juicy“ überleitet, das zwischen Chillout, relaxtem Gitarrenpop, softem Jazz und avantgardistischen Momenten den experimentellen Charakter des Albums gut widerspiegelt – und die Backgroundsängerinnen sind hier weit mehr als nur im Hintergrund versteckt.

Über das mit Westernklängen sowie Streichern flotter voran galoppierende „Walkaway Music“ gelangen wir zur ersten Single, dem gemütlichen, starken, vielleicht auf Grund des Aufnahmeorts nicht als einziges Stück mit Americana-Flair durchdrungenem „Brush Me Like A Horse“ über einen Mann, der sich langsam in ein Pferd verwandelt. Und auch hier hört man wieder einiges vom alt-J-Klangkosmos heraus, wenn zum Folk Motown auf verhaltenen Rock trifft, Blues auf Gospel.

Zwei Herzen in seiner Brust besingt JJerome87 dann im melancholischen, schönen, erneut auch auf Streicher setzenden Liebeslied „Two Hearts“, bevor mit der zweiten Single, dem schwungvoll daher kommenden, mitreißenden „Track and Field“ über zwei College-Studenten, die sich auf der Leichtathletikanlage ineinander verlieben, das Tempo wieder deutlich angezogen und der Abwechslungsreichtum der Scheibe untermauert wird.

Mit „Last Man Alive“ lässt Joe eine leicht verzerrte, ruhige Nummer folgen, bevor er seine erste alleinige Scheibe mit dem fast fünfeinhalb Minuten langen und somit längsten Song „Pennine“ abschließt. Ein gutes Solo-Debüt von JJerome87, das sich gut durchhören lässt und insgesamt weniger nach Indie klingt, etwas mehr von sommerlichem US-Folk beeinflusst, aber mit Anspruch.

jjerome87.com
facebook.com/altJ.band
instagram.com/jjerome87

Bewertung: 8 von 10 Punkten

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