
Power Ballad – Der Song meines Lebens
Darsteller: Paul Rudd, Nick Jonas, Peter McDonald, Marcella Plunkett
Regie: John Carney
Dauer: 98 Minuten
FSK: freigegeben ab 6 Jahren
Facebook: facebook.com/LEONINEStudios
Instagram: instagram.com/leoninestudios
Kinostart: 25. Juni 2026
Dass der irische Regisseur und Drehbuchautor John Carney eine besondere Beziehung zur Musik hat, das sah man schon in Filmen wie „Once“ (2006), „Can a Song Save Your Life?“ (2013) oder „Sing Street“ (2016). Nicht zuletzt ist er selbst auch als Musiker aktiv gewesen, als Bassist der Folkband The Frames um den auch solo erfolgreichen Frontmann Glen Hansard, den er dann auch für die Hauptrolle in „Once“ verpflichten konnte, was ihm zusammen mit Markéta Irglová für „Falling Slowly“ den Oscar® in der Kategorie „Bester Song“ bescherte. Auch wenn er zwischendurch als Showrunner und Produzent der Streaming-Serie „Modern Love“ Erfolge verbuchen konnte, zog es Carney wieder zurück zum Film, und nachdem er mit „Flora and Son“ – ja, ein Musikfilm – 2023 einen Streifen für Apple TV+ erschuf, bringt er mit „Power Ballad – Der Song meines Lebens“ nun mal wieder einen auf die große Leinwand. Dass auch hier die Musik eine große Rolle spielt, das steckt bereits im Titel – und auch in der Besetzung, sehen wir in den Hauptrollen neben Paul Rudd doch Nick Jonas, der als Teil der Band Jonas Brothers und alleine als Sänger erfolgreich war, aber auch schon mehrfach als Schauspieler in Erscheinung trat, z.B. in den beiden neuen „Jumanji“-Filmen.
Passenderweise spielt Jonas den ehemaligen Boyband-Star Danny Wilson, der solo schon länger keine großen Erfolge mehr zu verbuchen hatte. Als der gutaussehende Sänger als Gast auf der Hochzeit eines befreundeten Paares in Irland weilt, ist für die Musik eigentlich die auf Heiratsfeiern spezialisierte Coverband The Bride & Groove verantwortlich. Deren Frontmann Rick (Paul Rudd) hatte selbst mal mit seiner damaligen Band Octagon eine Karriere als Musiker angestrebt, diese kam aber nie so richtig in Schwung, worüber er reichlich Frust immernoch mit sich herum schleppt – der nicht kleiner wird, wenn er sieht, dass er mit eingeschobenen eigenen Songs von einst eine volle Tanzfläche leerzuspielen weiß, woraufhin ihm seine Bandkollegen dann diese auch untersagen.
Auf dem schicken Anwesen besagter Hochzeitsfeier nun kommt es dann auf Wunsch des Brautpaares dazu, dass Danny sich für einen Song zu Rick auf die Bühne gesellt, wo sie ein starkes Duett zu Stevie Wonders „I Wish“ hinlegen. Anschließend verbringen beide noch einige Zeit miteinander in Dannys hier eingerichtetem Musikzimmer, jammen zusammen und tauschen sich alkoholgeschwängert über alte Zeiten und Songideen aus. Hierbei spielt Rick auch eine Ballade vor, die er einst geschrieben, aber nie veröffentlicht hatte, und die Danny gut gefällt.

Danny (Nick Jonas, rechts) und Rick (Paul Rudd)
(© LEONINE Studios)
Am Tag darauf berichtet der verkaterte Rick seiner Frau Rachel (Marcella Plunkett) und Tochter Aja (Beth Fallon) von der ungewöhnlichen Nacht, und seine Freude ist durchaus auch groß, als sein von mehreren Smartphones festgehaltenes Duett mit dem Star in den Medien für Aufsehen sorgt. Der Schock folgt dann aber sechs Monate später, als Rick in einem Einkaufscenter plötzlich „How to Write a Song (Without You)“ über die Lautsprecher hört – eben den Song, den er Danny vorgespielt hatte und den dieser nun mit einer zusätzlichen Bridge versehen modern und professionell ausproduziert als seinen neuesten Track veröffentlicht hat. Mit diesem gelingt ihm dann auch ein fulminantes Comeback.
Rick hingegen glaubt niemand, dass es sich bei dem baldigen Nummer-1-Hit um seine Komposition und seinen Text handelt, da er dummerweise auch keinerlei alte Aufnahme vorweisen kann. Und doch gibt er nicht auf und reist nach telefonischer Abkanzelung mit seinem besten Bandkumpel Sandy (Peter McDonald) in die USA, um Danny zur Rede zu stellen und neben einer Entschuldigung auch eine Beteiligung an den Tantiemen zu erreichen. So einfach gestaltet sich dies aber ohne jegliche Beweise nicht.
Mit „Power Ballad – Der Song meines Lebens“ legt John Carney ein neues Werk vor, das sich insgesamt gut anschauen und auch anhören lässt. Die musikalischen Momente bringen Schwung, und der von Carney und vor allem dem schottischen Songwriter und Produzenten Gary Clark als langjährigem kreativem Weggefährten geschriebene Kernsong „How to Write a Song (Without You)“ ist ein echter Ohrwurm – wenn auch in Dannys zeitgemäßer Pop-Version weit weniger reizvoll als handgemacht von Rick. Fun Fact: Gary Clark war der Frontmann der Ende der 80er mal kurz erfolgreichen britischen Band Danny Wilson, an deren Hit „Mary’s Prayer“ sich viele sicher erinnern – da wissen wir also, wo der Name des Ex-Boyband-Stars im Film herkommt.
Der Film ist nett und beschert einige witzige Momente ebenso wie dramatische, wenn Rick dann im Wissen, im Recht und betrogen worden zu sein, vieles auf’s Spiel setzt. Interessant wird es dann vor allem, wenn wir Danny sehen, der sich auf Grund des vielen Whiskys in der damaligen Nacht gar nicht wirklich daran erinnert, dass es sich um Ricks Song handelt, und erst nach dessen Kontaktaufnahme Erinnerungen hochkommen – und während Wilsons Freundin Marcia (Havana Rose Liu) zu Tränen gerührt ist ob des vermeintlich für sie geschriebenen Liebesliedes, hat dies eine ganz andere Entstehungsgeschichte.
Die von Paul Rudd und Nick Jonas gut gespielten, so unterschiedlichen Musiker sind hierbei recht interessante Charaktere, die beide mit dem aktuellen Status ihres Daseins nicht zufrieden sind, als sie sich treffen – Rick immernoch der verpassten Karriere tief hinterher trauernd, Danny unter Druck, endlich mal wieder einen Hit abzuliefern. Ein Arschlochtyp ist er übrigens eigentlich ganz und gar nicht, was auch gut transportiert wird. Und doch scheint es in der Musikindustrie wenig Mitleid zu geben und jede Einnahme behält man lieber für sich, so impft es ihm zumindest sein Manager ein, der nun alles tut, um Rick fern zu halten.
Da kommt also sogar noch eine gewisse Spannung auf, wie das Ganze ausgehen mag, ohne einen aber wirklich zu packen. Trotzdem bleibt der Film nämlich irgendwie dauerhaft im Eindruck „nett“ hängen, weil die Handlung nicht allzu viel Spektakuläres hergibt, man „How to Write a Song (Without You)“ trotz Ohrwurmcharakter in moderner Produktion irgendwie dann doch zu schnulzig findet und das Ganze auch nicht überragend glaubwürdig erscheint – denn warum sollte Rick keine alte Aufnahme des Stücks besitzen, und wieso sollte Danny ihn veröffentlichen, ohne sich hierüber sicher zu sein?
Trailer:
Bewertung: 6 von 10 Punkten

