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Kritik zur Vorstellung am 21. Oktober 2026
Das Stage Operettenhaus ist eines der renommiertesten Musical-Theater Deutschlands. Mit seiner Lage direkt an der Hamburger Reeperbahn bietet es ausreichend Möglichkeiten, sich auch vor und nach dem Musicalbesuch noch gut unterhalten zu lassen oder gastronomischen Genüssen zu fröhnen. Im Theater fühlt man sich wohl, die Sitze bieten ausreichend Beinfreiheit, und auch der Sound ist hier gut.
Die Aufmachung für „Zurück in die Zukunft“ ist zudem gelungen. Im Foyer steht der Frontbereich eines DeLorean, in den man sich für Fotos setzen kann, und die Treppe hinauf zum Rang ist mit einem coolen Motiv eines feurig rasant fahrenden DeLorean verziert.
Wir besuchten die Vorstellung am weltweit gefeierten „Back to the Future Day“, denn im zweiten Teil der Kultfilm-Reihe kamen Marty McFly und Doc Brown am 21. Oktober 2015 in der Zukunft an. Aus diesem Anlass gab es für passend zum Streifen gekleidete BesucherInnen die Möglichkeit, mit Marty und Doc Fotos zu schießen, und einige Merch-Pakete wurden verlost.

(© Johan Persson)
„Zurück in die Zukunft – Das Musical“ bietet eine gelungene Umsetzung des Blockbusters. Futuristisch mutet das Theater im Inneren bereits an, und schon die Projektionen und Hinweise vor Beginn bieten eine gute Mischung aus Nostalgie und zukunftsträchtiger Technologie, was die Vorfreude steigert.
Wenn dann bekannte Soundtrack-Melodien aus dem Film erklingen, ist man direkt wieder gefangen. Nicht nur hierbei macht es allerdings Sinn, den Streifen aus 1985 auch zu kennen, denn dies erleichtert das komplette Verstehen der hier gebotenen Handlung.
Wie in der Vorlage lernen wir Marty als energetischen Teenager und Doc als leicht wirren Erfinder kennen. Und dieser ist eben auch genial, wie das Umfunktionieren des schnittigen DeLorean-Sportwagens in eine Zeitmaschine zeigt. Dass diese mit Plutonium betrieben wird, stellt sich dann als Problem heraus, zumindest in der Vergangenheit, als Marty im Jahr 1955 ankommt.

(© Matt Crockett)
Das Aufeinandertreffen mit seinen Eltern ist witzig, wobei es natürlich Probleme bereitet, dass sich seine Mutter in ihn statt seinen nerdigen Vater verknallt. Und dann ist da ja noch der fiese, mobbende Biff, der auch 1985 noch erniedrigend gegenüber seinem Vater agiert, ihm also bekannt ist.
Marty muss schauen, wie er seine Eltern doch noch zum ersten Kuss bewegt, denn er hat immer die Warnung von Doc Brown im Ohr, er dürfe den Lauf der Dinge nicht verändern. Dass er hierbei nicht nur sein eigenes Existieren sichern möchte, sondern seinem Wissenschaftler-Freund auch noch einen lebensrettenden Ratschlag für das Jahr 1985 mitgeben möchte, macht es extra kompliziert.

(© Matt Crockett)
Bei der von uns besuchten Vorstellung am Mittwoch, dem 21. Oktober 2026, erlebten wir nicht überall die Erstbesetzung, zum Glück aber mit Raphael Groß als Marty McFly. Er wusste komplett zu überzeugen und man merkte ihm seine Bühnenerfahrung an, spielerisch und gesanglich. Die Rolle ist hierbei eine echte Herausforderung, sind ihm doch kaum Ruhepausen gegönnt, in fast jeder Szene ist Marty aktiv, und dies macht Raphaels Leistung umso herausragender.
Marko Formanek schlug sich als Doc Brown gut, vor allem, wenn man bedenkt, dass er als Walk-In-Akteur in dieser Rolle agiert, denn die Cover-Besetzung von Doc Brown ist Siegmar Tonk, den wir in seiner Rolle als Lehrer Mr. Strickland sahen. Auch bei Lorraine Baines, Martys Mutter, sahen wir nicht die Erstbesetzung, Julia Fechter sang und spielte aber ebenfalls sehr ordentlich – was auch für Sacha Setubun galt, der in der Doppelrolle als Hill-Valley-Bürgermeister Goldie Wilson und Bandleader Marvin Berry als Zweitbesetzung zu sehen und hören war.
Neben Raphael Groß stach Terence van der Loo heraus, der Martys scheuen, in seiner unbeholfenen Art sehr speziellen Vater George bestens verkörperte. Auch Florian Sigmund spielte gut als unsympathischer Störenfried und Muskelprotz Biff.

(© Johan Persson)
Die Lieder des Musicals wussten zu gefallen, wo neben kurzen Filmmusik-Einwürfen und den den bekannten Songs wie „The Power of Love“, „Pretty Baby“, „Earth Angel“ und „Johnny B. Goode“ gelungene Songs für das Stück entstanden sind, die auch bestens zur jeweiligen Zeit der Handlung passen, also zumeist in die 50er-Jahre, mal auch in die 80er – ob „Egal was gescheh’n wird“, „Der hat was das mir gefällt“ oder „Ein Hoch auf alle Träumer“. Mit dem technoiden „Was uns die Zukunft bringt“ gibt es zudem direkt nach der Pause einen wahren Wachmacher für alle, denen die Unterbrechung zu entspannend war. Die Band des Stage Operettenhaus sorgte stets für gute musikalische Begleitung der SängerInnen, ob in den wenigen orchestralen oder vielen schmissigeren Momenten.
Insgesamt dauert das Stück mit Pause zwei Stunden und 40 Minuten, und da neben der Musik und den DarstellerInnen auch das Bühnenbild mit Rückprojektionen und Kulissen für Docs Werkstatt, das Haus McFly, die Schule, das Diner oder sonstige Spielorte gut gemacht ist und alle Szenen mit dem DeLorean wirklich toll sind (am Ende sogar spektakulär), weiß „Zurück in die Zukunft – Das Musical“ insgesamt gut zu gefallen. Für Fans des Films lohnt sich ein Besuch in jedem Fall, aber auch für Musical-Freunde generell.

