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Tori Amos: Native Invader (CD, Decca Records, 2017)

 

Mit "Native Invader" legt Tori Amos bereits ihr 15. Studio-Album vor, und nach 30 Jahren im Musikgeschäft muss sie sich nicht mehr beweisen, sondern eigentlich nur bestätigen. Mit großartigen Alben und Songs, vor allem aber auch unglaublich ausdrucksstarken und musikalisch beeindruckenden Konzerten hat sie sich eine große Schar an Fans erarbeitet, und auch wenn sie bei uns zuletzt vor zehn Jahren mit dem Longplayer "American Doll Posse" die Top Ten knapp erreichte, geriet sie nicht in Vergessenheit, kam auch danach fast immer in die Top 20, das winterliche, eigentlich sehr schöne "Midwinter Graces" (2009) und "Gold Dust" (2012) mal ausgenommen. Aber gerade ihr letztes Album "Unrepentant Geraldines" (2014) zeigte, dass mit Frau Amos, die im August 54 Jahre alt wurde, weiter zu rechnen ist - Platz 15 wurde bei uns erreicht, Platz 13 in Großbritannien, Platz 7 sogar in den USA.

Apropos USA, auf den 62 Minuten des neuen, erstmals bei Decca Records veröffentlichten Albums finden sich einige Songs, die die momentane Situation ihrer Heimat thematisieren, natürlich auf gewohnt lyrische, poetische Art und Weise. Generell steht die durch die momentane Abkehr von der Pariser Klimaschutz-Vereinbarung umso mehr gefährdete Natur im Mittelpunkt der Scheibe, die trotz ihrer Ausbeutung und Missachtung einen Weg gefunden hat, sich zu behaupten. Amos erklärt: "Die Aufnahme wendet sich der Natur zu und ergründet, wie diese sich durch Widerstandsfähigkeit selbst heilen kann. Die Songs ringen auch mit der Frage: Welche Rolle spielen wir selbst bei der Zerstörung unseres Landes wie auch unserer selbst und in unseren Beziehungen zu anderen? Im Leben können wir dem Schock unerwarteter Katastrophen wie Bränden, Überschwemmungen, Erdbeben oder anderen unheilvollen Verwüstungen ausgesetzt sein – sowohl geistig als auch äußerlich. Klanglich und bildlich wollte ich erkunden, wie die Natur mit ihren entgegengesetzten Kräften neues Leben erschafft und durch die Zyklen von Tod und Neugeburt vollständige Erholung herbeiführt. Sie kann sich immer wieder erneuern – steckt diese Fähigkeit auch in uns?"



13 Songs findet man auf dem Album, mit denen sich Tori Amos stilistisch treu bleibt - starke Kompositionen sind zu hören, die wieder die typische, wundervolle Atmosphäre besitzen, zwischen Schönheit und Melancholie, natürlich stets geprägt von Amos zauberhaftem Gesang. Der Opener "Reindeer King" ist mit seinen 7 Minuten ein bestes Beispiel für einen sphärischen Song, der von Piano und Gesang lebt, bereichert von Streichern im Hintergrund. Das folgende "Wings" steht exemplarisch für Toris Songs mit sanfter Elektronik, in den Hintergrund gestellte Gitarrenklänge und entspannenden Beats, und "Broken Arrow" sowie das schöne "Cloud Riders" für volleres Klangbild mit Piano, Gitarren, sanften Orgelklängen und normalem Schlagwerk. So zeigen bereits die ersten vier Stücke abwechslungsreich und bilden Tori Amos ab, wie man sie als Fan liebt.

In diesem gewohnten Umfeld bleibt die Scheibe dann, abgesehen vom tanzbareren, aber auch avantgardistischeren, schwer zugängigen "Up The Creek" als fünften Song, welcher einen etwas aus der Hängematte der Schönheit wirft, in die man sich gerade entspannt gelegt hatte. Ein bewusst gesetzter Störer, auf den man aber auch gerne hätte verzichten können. Das nachfolgende, Krieg, Verrat und Blutdiamanten thematisierende "Breakaway" ist dann wieder Tori Amos pur, und am intensivsten berührt sie einen eben doch, wenn sie sich selbst nur am Piano begleitet, was intime Momente schafft. Mit "Wildwood" hören wir dann einen leicht rockig angehauchten, feinen Song, und mit "Chocolate Song" folgt eine von minimalistischer Elektronik in der Strophe unterlegte Nummer, die dann aber in der Bridge und im Refrain volleren Pop anbietet.

Auf das etwas progressivere "Bang" folgt mit dem wunderschönen, poetisch religiösen "Climb" ein weiteres Highlight des Albums. "Bats" ist eine weitere ansprechende Pop-Nummer, und das eingängige "Benjamin" kommt mit mehr Druck und auch wieder politischer daher. Als traurigen aber auch hoffnungsvollen Abschluss widmet Amos ihrer nach einem Schlaganfall stark beeinträchtigten Mutter mit "Mary's Eyes" eine melancholische Piano-Orchester-Nummer, die den Glauben ausdrückt, dass ihre Mutter sich vielleicht bald schon wieder verständigen kann - "Hymns for us to sing. She's a believer. Hymns locked in her memory, I'm a believer they're the key." Ein weiteres gut gelungenes Album der Sängerin aus North Carolina, welches Fans sicher wieder gefallen dürfte, während Chart-Hits vermutlich ausbleiben werden, aber auf diese hat es Tori Amos offen hörbar auch gar nicht abgesehen.



Im September und Oktober wird Tori Amos live bei uns zu sehen sein:

16. September: Frankfurt, Jahrhunderthalle
18. September: CH-Genf, Theatre Du Leman
20. September: A-Linz, Brucknerhaus
21. September: CH-Zürich, Volkshaus
26. September: Hamburg, Laeiszhalle
27. September: Essen, Colosseum
29. September: Berlin, Tempodrom
30. September: München, Philharmonie
01. Oktober: A-Wien, Konzerthaus

www.toriamos.com
www.facebook.com/toriamos



Bewertung: 8 von 10 Punkten

(Tobi )