CTS-MUM

SUBWAY TO SALLY
...auf zum Schloß
Berlin, ein Samstag, Dezember 1998. Im nächtlichen Morgengrauen (also um 11.30 Uhr) setzt sich ein Bus in Bewegung. In ihm befinden sich die sieben Musiker von Subway To Sally, der beliebten Mittelalter-Folk-Metal-Combo, außerdem etwas Anhang, Mixer, Lichtmann, eine Fanclubabordnung, Promomädels von Vielklang und eine überschaubare Schar ausgewählter Journalisten, darunter auch Tobi und sein Knappe Miguel. Nachdem der optisch gut ins Heavy-Bild passende Busfahrer sich mehrfach um den großen Stern geschlängelt hat, geht es ab in die Ex-Zone, Richtung Tschechien. Es ist Winter, draußen ist es verschneit und kalt, drinnen wärmt man sich vorne mit Sekt, hinten mit geschmierten Broten und netten Gesprächen a la "Und wer bist Du so?".

Tobi und Miguel wählen die Variante Autoquartett und Obstsaft, ist ja noch früh. Irgendwann fährt man von der Autobahn ab, zum Grenzübergang in Zittau - glaub' ich! Jedenfalls ist der nur für PKWs angelegt, schade eigentlich. Also wird um den erleuchteten Christbaum herum gewendet und weitergedüst nach Seifhennersdorf. Unterwegs wird noch einmal eine Pinkelpause eingelegt, an einer Tanke mit einem Klo, wo sich sofort eine Frauenschlange bildet, na gut, die Männer schiffen also an einen Container oder in den offenstehenden Keller der anwohnenden, oben fernsehenden Familie. Weiter geht's! Am nun groß genug gemachten Grenzchen gibt es Probleme. Fanclub-Präsi David ist Brasilianer ohne Visum für die Tschechei, bei zwei anderen Jungs ist der Perso abgelaufen. Nach 45 Minuten Diskussionen und Bestechungsversuchen ist alles geklärt - die Jungs steigen aus und suchen sich ein Hotel, doof das! Die anderen steuern auf einigen Umwegen busüberdrüssig schließlich doch noch mit einigen Stunden Verspätung das Ziel an, das Schloß Zahradky bei Ceska Lipa, 70 km nördlich von Prag.

Gut, die geplante Fahrt der letzten Meter in der Pferdekutsche wurde aus Dundelheitsgründen abgesagt, außerdem werden die Gäule bestimmt schon zur morgendlichen Salami verarbeitet, man will ja nix durcheinanderbringen. Die Zimmer werden verteilt, die Blasen geleert, die Achseln deodoriert, und schon trifft man sich in einem kleinen Schloßsaal zum Dinner. Nach einem Teller leckeren Fleischsalats, über den sich besonders die Vegetarier sehr freuen, gibt es wohlschmeckendes Rindersteak, nun auch für die Nicht-Fleischer Fisch, und hinterher noch ein kaltes Büffet mit Kümmelhuhn, Kuchen und anderen Kleinigkeiten. Vor allem aber beginnt man damit, kultiviert den einen oder anderen Drink einzunehmen. Die einen bleiben zum Mahl beim Gambrinus-Bierchen, andere beim Becherovka-Hämmerchen. Dann folgt der Höhepunkt und Sinn des Abends. Nach einer kleinen Ansprache zweier Bandmitglieder werden acht der elf Songs des im März erscheinenden, noch nicht betitelten, neuen Albums in den Sahl geblasen, als Roughmixe, die aber schon sehr gut klingen. Kurzes Fazit dazu: starke Stücke, die wohl jedem nur gefallen können. Den Rest des Abends verbringt man mit Feiern, Süffeln und Quatschen. Break! Am nächsten Morgen wird gefrühstückt, wobei einige frischer aussehen, andere noch reichlich tot, wobei ich den netten, kleinen BMG-Mann hier nicht extra herausheben möchte, das wäre ja gemein. Schließlich geht es wieder Richtung Heimat, diesmal ohne Umwege und ohne Winter, der taut nämlich gerade komplett weg. Die drei Grenznächtler werden übrigens wieder aufgelesen, haben sich mit Whisky getröstet. Im Bus herrscht eher Müdigkeit vor. Was bleibt? Die Jungs der Combo sind richtig nett, der weibliche Anhang ist es auch, der Weg nach Osten ist immernoch steinig, ein tolles Album ist zu erwarten - und die Erinnerung an ein lustiges, nettes Wochenende.

(Tobi)