CTS-MUM
Bap, Düsseldorf, Tonhalle, 29.03.2000
 
Man stelle sich folgende Situation vor: ca. 450 rockende Zuschauer, nette Atmosphäre, dreieinhalb Stunden Auftritt, BAP und Sitzplätze. Nun, wird der ein oder andere sagen, hier passe einiges nicht zusammen. BAP würden doch nie vor ca. 450 Leuten spielen und das auch noch dreieinhalb Stunden lang! Hier muss der Leser enttäuscht werden, denn wie eingefleischte BAP-Fans schon längst wissen, ist am 23. März der zweite Teil der "Tonfilm"-Tour gestartet, und dieser zweite Teil hat es in sich, es ist nämlich die "Konzertante Variante". Am Mittwoch den 29. März machte die Band in der Düsseldorfer Tonhalle halt. Die Bühne ist schlicht gehalten, mit roten Vorhängen, hinter der Band eine Leinwand, das war's. Pünktlich um 20:00 Uhr kam Wolfgang Niedecken mit dem Rest der Band auf die Bühne, alle in Schwarz. Auch Wolfgang Niedecken konnte es nicht lassen, auf die Rivalität zwischen Kölnern und Düsseldorfern anzuspielen: "Wir wollten erst Untertitel einblenden". Man merkte die Spannung der Fans, denn es stellte sich die Frage, was wird uns hier erwarten? Wolfgang Niedecken stellte einmal mehr unter Beweis, dass er nicht nur ein guter Musiker ist, sondern auch ein guter Entertainer, dem man gerne zuhört, somit war auch der Kontakt mit dem Publikum sichergestellt. Schon bei "Nix Wie Bessher" hielt es das Publikum nicht mehr auf ihren Stühlen, und das war erst der Anfang. Die Lieder die gespielt wurden, sind Stücke, die die Band geprägt haben bzw. die kein sog. Hit geworden sind. Früher sagte man auch dazu, es sind die Titel von der "B-Seite" einer Single. Spätestens nach "Diss Naach" wusste auch der letzte Fan, dass dieser Abend etwas besonderes wird. Man begab sich mit der Band auf eine musikalische Zeitreise, die man mit einem blauen 69 Ford unternahm. Auch wurde der Fan aufgeklärt, dass nicht Eric Clapton der Erfinder der "Unplugged"-Musik ist, nein, der Ursprung liegt in Wesseling. Der "Müsli Män" wurde zur Fingerschnipp-Nummer, und was eine Rita so alles anstellen kann, sollte uns "Rita, mir Zwei" beweisen. Wie auf Befehl sprang das Publikum von seinen Sitzen auf, und feierte ihre Band, doch das war noch nicht alles! Mit "Nemm mich met" folgte noch eine Rocknummer, und dann kam das Stück, das sich im Laufe der Jahre zu einer Hymne entwickelt hat, obwohl es eigentlich so nie geplant war, was Wolfgang Niedecken auch in der Ankündigung betonte. Es sollte eigentlich ein Gespräch zwischen Vater und Sohn sein, das man, wenn auch jetzt nur in der Phantasie, miteinander geführt hat. Das Stück wurde in der Akkustik-Version gespielt. Nach dem Stück kam erst einmal eine Pause. Nach der Pause kamen Stücke wie "Bleifoos", "Jupp", "Arsch Huh, Zäng Ussenander" und "Amerika" an die Reihe. Für die gute Stimmung im Saal, war auch das gute Zusammenspiel der Band verantwortlich. Es stachen da z.B. : Jens Streifling mit seinen tollen Saxofon-Solis, oder Helmut Krumminga mit seinen Gitarren-Solis hervor. Ebenfalls ist in diesem Zusammenhang die stimmgewaltige Sheryl Hackett nicht zu vergessen. Doch wer die BAP-Fans kennt, der weiß auch, dass sie sich nicht mit dem normalen Programm abfertigen lassen, also mussten zwei Zugabe-Blöcke her. Nach den anfänglichen "Zugabe"-Rufen änderte man die Taktik, und begann statt dessen "Stell Dir Vüür" zu singen, obwohl es bis dahin noch nicht gespielt wurde. Spätestens als man "Et letzte Leed" spielte, wusste jeder, dass selbst der schönste Abend einmal zu Ende geht.

(T.K.)