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Dresden Dolls, Köln, Prime Club, 26.09.2004
 
Nachdem Indie-Szenemagazine oder -TV-Formate im Vorfeld die Dresden Dolls förmlich ins Rampenlicht gehypt hatten, kamen 20 Tage nach Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debütalbums dann auch viele Interessierte in den Kölner Prime Club, um sich mal anzuschauen, ob denn hier vielleicht wirklich etwas Neues und Großartiges zu erleben sei. Jede Aufgeregtheit wurde zunächst allerdings von der Vorband namens Wolke zunichte gemacht. Ein bewusst durch philosophischen An-der-Zigarette-Saugen auffallender, ansonsten wie der liebe Junge von nebenan ausschauender Sänger performte zu Drums aus der Maschine und Keyboardklängen seines unterhalb der Publikumskopfhöhe sitzenden und daher nur für die erste Reihe optisch wahrzunehmenden Kollegen ruhige Lieder. Zu viele leider. Hatte man bei den ersten zwei, drei Stücken noch das Gefühl, dass hier Hamburger Schule nach Köln getragen und etwas Schwung wohl auf Strecke geblieben sei, was aber alles noch völlig okay wirkte, wurde dann so ab dem vierten, fünften Stück jeder annähernd positive Eindruck zunichte gemacht. Wie im wahren Leben verzog sich die Wolke viel zu langsam und es wurde schattiger und schattiger in Form von Langeweile und übermäßigem Auf-Intelligent-Machen.

Ganz anders die Dresden Dolls. Von der ersten bis zur letzten Minute wusste das Duo aus Boston zu überzeugen, wenn nicht sogar zu begeistern. Was Sängerin Amanda Palmer an Ausdruck aus ihrer Stimme heraus holte, während sie durchaus beachtlich Piano spielte, war bemerkenstwert. Ihr mit weißem Pantomime-Gesicht auflaufender Kollege Brian Viglione wirbelte währenddessen am Schlagzeug, später auch mal kurz an der Gitarre, und vor allem in der ersten Konzerthälfte agierte er auch zwischendurch immer wieder mal etwas schauspielerisch, indem er plötzlich aufsprang oder mit dem Drumset mehr interagierte als nur darauf einzuschlagen. Bei einem Song brach es aus ihm heraus, er legte seinen Hut kurz zur Seite und ließ überraschend lange Haare headbangermäßig fliegen - um dann gleich wieder zur sonstigen Erscheinung des zurückhaltenden Mimen zurück zu kehren. Neben den Stücken von ihrem Debütalbum präsentierten die Dresden Dolls als Coverversion das Black Sabbath-Stück "War Pigs", von Amanda als Protestsong gegen das momentane politische Scheiß-Klima angekündigt. Interessant war natürlich, wie die Dresden Dolls Songs wie das auf CD von Orchesterklängen bereicherte, epische "Truce" zu zweit interpretieren würden. Auch dies gelang ihnen überaus gut - man hatte eigentlich nie das Gefühl, hier auf irgendwelche Sounds verzichten zu müssen. Was Amanda und Brian aus Piano und Schlagzeug heraus holten, war einfach klasse!

(Tobi)