IHRE BESTE STUNDE - DREHBUCH EINER HELDIN
Darsteller:  Gemma Arterton, Sam Claflin, Bill Nighy, Jack Huston
Regie:  Lone Scherfig
Dauer:  117 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Website:  www.ihrebestestunde.de
Facebook:  facebook.com/concordefilmverleih
 

Eine Komödie in der vom Bombenhagel bestimmten Zeit des Zweiten Weltkriegs anzusiedeln ist schon ein wenig gewagt. Denn schnell läuft man Gefahr, entweder die Gräuel des Krieges der Lächerlichkeit preiszugeben oder aber zu bewirken, dass dem Zuschauer das Lachen im Halse steckenbleibt. Geradezu virtuos meistert Regisseurin Lone Scherfig ("Italienisch für Anfänger", "An Education") diese Schwierigkeit, wenngleich ihr neuestes Werk in der Schublade Komödie vielleicht ein wenig deplatziert wirkt.

Das Schicksal von Catrin Cole (Gemma Arterton) im London des Jahres 1940 nimmt nämlich schnell sehr dramatische Züge an, als sie und ihr Mann Ellis (Jack Huston) nicht nur durch die ständigen Bombardements sondern auch rein finanziell um ihr Überleben kämpfen müssen. Da dem gebeutelten englischen Volk gerade gar nicht nach dem Erwerb von Ellis bildender Kunst ist, nimmt Catrin einen Job beim Propagandaministerium an, das gerade nach einer gezielteren Ansprachemöglichkeit der Frauen an der "Heimatfront" sucht. Was liegt also näher, als eine Frau in die Ideenschmiede für die Drehbücher seiner Filme aufzunehmen, die sich ja mit deren Situation bestens auskennt. Erste Erfolge stellen sich auch bald ein, und so fällt Catrin fast zufällig ein großes Spielfilmprojekt in den Schoß, das sie an der Seite des erfahrenen Autors Tom (Sam Claflin) verwirklichen soll.

Wie selbstverständlich gelingt dabei der Balanceakt zwischen Darstellung der Kriegssituation mit all ihren propagandistischen Facetten und komödiantischen Elementen, die bei der Filmproduktion immer wieder aufblitzen. Fast ausnahmslos daran beteiligt ist Bill Nighy, dem die Rolle des abgehalfterten, aber wegen seines früheren Erfolgs überaus divenhaften Schauspielers Hilliard wie auf den Leib geschrieben ist. Mit seiner Figur trägt er den Film, macht die Hindernisse am Set, mit denen sich das junge Autoren-Duo tagtäglich herumschlagen muss, erst greifbar und gibt seinem Ambrose Hilliard trotz allem das Image des nervigen Sympathen. Der wird nämlich gebraucht, als mit dem völlig talentfreien Helden Carl Lundbeck (Jake Lacy) die Amerikaner mit ins Propaganda-Boot geholt werden, was einiges an schauspielerischem Nachhilfeunterricht nach sich zieht.

All das zeigt eindrücklich die Schwierigkeiten in der Umsetzung des Filmprojekts, die doch zur berührenden Erfolgsgeschichte der Gelegenheitsautorin werden. Daneben fällt allerdings die gut gemeinte, eingebettete Liebesgeschichte zwischen Catrin und Tom kaum auf und kann dem Streifen keine weitere Dramatik verleihen. Der bedarf es aber auch nicht unbedingt, fiebert man doch hauptsächlich mit der Film-im-Film-Crew mit, die einem wirklich ans Herz wächst.



Wertung: 8 von 10 Punkten

(Mick)