REGELN SPIELEN KEINE ROLLE
Darsteller:  Lily Collins, Alden Ehrenreich, Warren Beattie, Matthew Broderick
Regie:  Warren Beattie
Dauer:  127 Minuten
FSK:  freigegeben ab 6 Jahren
Website:  www.fox.de/rules-dont-apply
 

Angesichts seiner 15-jährigen Kinoabstinenz wäre Warren Beattie beinahe in Vergessenheit geraten, bevor er sich unlängst mit einem eigens inszenierten Film zurückmeldete. Ein gefundenes Fressen war es da für alle Verschwörungstheoretiker, was sich dann Spektakuläres bei der diesjährigen Oscar-Verleihung ereignete und als "Envelopegate" in die Historie eingehen wird. Allerdings gab der Protagonist des peinlichen Auftritts dabei keine allzu gute Figur ab, was seinem Image bestimmt einige Kratzer zugefügt haben dürfte. Man muss schon extremer Verfechter der Marketing-Strategie "schlechte Publicity ist besser als keine Publicity" sein, um immer noch an einen fingierten Fauxpas zu glauben. Nun soll das ja aber eigentlich gar nicht Gegenstand dieser Abhandlung sein sondern vielmehr die kritische Betrachtung eines Werkes, das Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller Beattie nach eigenen Angaben seit über 40 Jahren eine Herzensangelegenheit ist. Schwierig dennoch, den an den US-Kinokassen vor Jahresfrist grandios gefloppten Streifen außerhalb des Kontexts der so Aufsehen erregenden Ereignisse zu betrachten.

Beattie geht es hier eindeutig um eine Hommage an den exzentrischen Unternehmer und Multimillionär Howard Hughes, der augenscheinlich eine seltsame Faszination auf ihn ausübte, seit er ihn Anfang der 70er Jahre persönlich getroffen hatte. Dementsprechend kam in seinem Lebensprojekt auch niemand anderes als er selbst für die Rolle des zurückgezogenen Hughes Ende der 50er Jahre in Frage, der sich damals außer seinen fliegerischen Unternehmungen hauptsächlich der Filmproduktion widmete.

So lockt er, wie so viele hübsche Mädchen auch, die junge Marla (Lily Collins) mit seinem Geld aus der Provinz nach L.A., nur um sie, selbstverständlich fürstlich entlohnt, auf die heiß ersehnte Kinorolle warten zu lassen. Dass der währenddessen die Decke auf den Kopf fällt, ist nur allzu verständlich, und in der Folge sind auch Vertragsinhalte wie das Verbot von Beziehungen zu Angestellten schnell vergessen.

Es kommt wie es kommen muss, und aus der Sympathie zu ihrem Fahrer Frank (Alden Ehrenreich) wird bald mehr, was vor ihrem Gönner kaum noch zu verbergen ist. Doch was sind die Konsequenzen? Wie tickt der selbst von seinen engsten Mitarbeitern selten zu Gesicht bekommene Exzentriker? Das sind die Fragen, die die lahme Liebesgeschichte irgendwie am Laufen halten und den Film vor dem vorzeitigen Absturz bewahren. Der aber ergeht sich viel mehr in der vor Bewunderung nur so strotzenden Mystifizierung eines vom Geld verdorbenen Charakters, als den wirklich wichtigen Dingen nachzugehen. Dagegen kann die gute Lily Collins noch so begeisternd anspielen, gegen Beatties holzschnittartige Inszenierung seines großen Helden ist letzten Endes kein Kraut gewachsen.



Wertung: 4 von 10 Punkten

(Mick)