THE DINNER
Darsteller:  Richard Gere, Steve Coogan, Laura Linney, Rebecca Hall
Regie:  Oren Moverman
Dauer:  120 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Website:  www.tobis.de/film/the-dinner
Facebook:  facebook.com/tobisfilmclub
 

Politiker können so lange ambitioniert nach oben kommen, wie sie erfolgreiche Politik machen - und ihre weiße Weste unbefleckt bleibt. Gut, wie wir heute wissen, kommen gewisse Individuen auch mit jeder Menge Schandflecken an die Macht, die Regel ist dies aber zum Glück nicht. In Herman Kochs preisgekrönten Bestseller "Angerichtet" geht es gar nicht primär um Politik, und doch spielt diese in der filmischen Adaption des israelischen Regisseurs Oren Moverman ("The Messenger - Die letzte Nachricht", "Rampart - Cop außer Kontrolle") eine entscheidende Rolle.

Im feinsten Nobelrestaurant der Stadt treffen sich zwei völlig unterschiedliche Paare zum Dinner. Vorher sieht man bereits, wie Paul Lohman (Steve Coogan) sich mit sarkastischen Kommentaren auf den Abend vorbereitet, auf den er sich so gar nicht freut und zu dem ihn seine Frau Claire (Laura Linney) mehrfach überreden muss. Dabei wird Paul hier nicht von Claire zu einem Event als Begleitung mitgenommen, nein, das Abendessen findet mit seinem Bruder Stan (Richard Gere) und seiner Frau Katelyn (Rebecca Hall) statt - und das im feinsten Sterne-Restaurant der Stadt. Stan ist völlig anders als der arbeitslose Geschichtslehrer Paul, und als einflussreicher Abgeordneter steht er kurz davor, den Posten des Gouverneurs einzunehmen. Die Vier sitzen auf Bitte des natürlich standesgemäß hofierten Politikers in einem abgeschiedenen Raum, was auch gut ist, denn trotz hochwertigstem Gaumenschmaus geht es bald zur Sache. Trotz diverser Unterbrechungen seiner Assistentin schafft Stan es dann doch, sich auf den eigentlichen Diskussionspunkt des Abend zu konzentrieren, zumindest einigermaßen. Die 16-jährigen Söhne der beiden Paare haben Mist gebaut, als sie eine Obdachlose anzündeten, wovon hinterher dann sogar noch ein Video im Internet auftauchte. Identifiziert wurden sie allerdings bislang nicht, und so müssen die Eltern nun besprechen, ob sie die eigenen Kinder zur Polizei bringen sollten, um sich zu stellen, oder ob sie darauf hoffen, dass die Täter nicht gefunden werden und die Söhne daher ungestraft davonkommen können - was natürlich schlimm wäre, denn an Schuldgefühl mangelt es ihnen zudem noch. Eine schwierige Entscheidung, nicht nur weil Stans politische Karriere durch den Skandal beendet werden könnte. Die Wogen im Restaurant kochen hoch, denn gerade Stan plädiert für Gerechtigkeit, während Katelyn um ihren gesellschaftlichen und finanziellen Stand fürchtet, Paul als einziger vorher bzgl. der Tat Unwissender immer wieder auch durch Schübe seiner familiären Geisteskrankheit aufbraust und Claire die mehrfach eskalierende Lage zielführend zu retten versucht - wobei sie auch schon vorher versucht hat, Einfluss auf die Geschehnisse zu nehmen, wie nun heraus kommt.

Was wie ein Film über nobles Essen gewürzt mit kleinen sarkastischen Spitzen beginnt, entwickelt sich zu einem dichten Psycho-Drama. Im Laufe des etwas zu lang geratenen Streifens erfährt man in Rückblicken immer mehr über Paul und versteht so, dass sein Verhalten größtenteils krankheits- und vergangenheitsbedingt ist. Man erfährt mehr über Katelyn, die als Stans zweite, viel jüngere Frau von seinem leiblichen Sohn Rick wenig akzeptiert wird und auch mit den beiden adoptierten, afroamerikanischen Kinder Val und Beau ihr Probleme hat. Und natürlich bekommt man auch interessante Einblicke ins Leben von Stan und Claire, die beide noch am normalsten erscheinen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie weit man gehen würde und gehen darf, um die eigenen Kinder zu schützen - eine äußerst schwierige Frage, die hier facettenreich behandelt wird.



Wertung: 7 von 10 Punkten

(Tobi)