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Embrace sind zwar noch nicht die weltweiten Abräumer, doch längst keine Unbekannten mehr. Danny McNamara (Gesang), Richard McNamara (Gitarre), Mickey Dale (Keyboards), Michael Heaton (Drums) und Steven Firth (Bass) konnten sich bereits 1997 mit ihrer Indie-Debütsingle "All You Good Good People" (auf Fierce Panda) einen Deal mit dem Virgin-Sublabel "Hut" verschaffen, das ansonsten illustre Namen wie Smashing Punpkins, Gomez und The Verve in seinem Artist-Roster versammelt hatte. Nachdem man sich schon mit den zwei EPs "Fireworks" und "One Big Family" immer weiter nach oben in den Charts orientierte, landeten die nächsten drei Singles (darunter der Hit "Come Back To What You Know") in den britischen Top Ten, und das Debütalbum "The Good Will Out" enterte die Charts sensationell auf Platz eins.

2000 und 2001 folgten mit "Drawn From Memory" und "If You've Never Been" zwei weitere Top Ten-Alben, 2002 dann eine Singles-Collection, mit der die Geschäftbeziehung zu Hut endete. Die Band unterschrieb beim Sony-Labelpartner Independiente, bei dem u.a. Travis unter Vertrag stehen. Im Herbst 2004 nun sind Embrace endlich mit einem neuen Album zurück. Die im August veröffentlichte Debüt-Single "Gravity" stammt aus der Feder von Coldplay-Sänger Chris Martin. Kein Wunder - Danny und Chris waren bereits in ihrer Jugend und vor dem Durchbruch Coldplays im Jahr 2000 eng befreundet. Damals supporteten Embrace die noch unbekannte Band nach Kräften. Chris Martin äußert sich dann auch folgendermaßen über "Gravity": "Wir lieben Embrace und Danny ist einer meiner besten Freunde. Als wir den Song schrieben, hatten wir das Gefuehl, dass er sehr viel besser zu Embrace passe als zu uns. Also habe ich Danny gefragt, ob ihm der Track gefalle und das war's dann".


Einmal mehr in Zusammenarbeit mit Produzenten-Legende Youth (Killing Joke, Verve, Heather Nova, James, The Orb etc.) entstand ein wieder mal voll überzeugendes Embrace-Album. Die zehn Songs auf 48 Minuten liegen klar im Britpop, warum sollten Embrace sich auch untreu werden. Nach wie vor sind es die eingängigen Melodien, die melancholischen Momente und die gelungene Mischung aus Balladen, Pop und rockigen Passagen, mit denen Embrace direkt ins Ohr gehen und dort bleiben. Ein sehr schönes Album wieder mal. Zu selbigem hier ein Interview, welches Anfang August in Berlin mit Danny und Richard geführt wurde.

Frage: Wie begann die Geschichte von Embrace?

Danny: Richard spielte Schlagzeug in einer Band namens Growthsmith Conduct, als wir noch Kinder waren und zur Schule gingen. Und ich kochte Tee in dem Laden und schwirrte um die Leute herum. Am Ende waren, glaube ich, alle so genervt von uns, dass nur noch Richard und ich übrig blieben. Das war der Beginn von Embrace. Aber, wie gesagt, wir waren noch Schulkinder. So fing alles an.

Frage: Wie war die Reaktion auf euer Debütalbum?

Danny: Als wir raus kamen, feierte uns die britische Musikpresse begeistert als brandneues Ding, das ganz anders sei als der ganze Britpop. Der Hype um uns war anfangs enorm. Über Nacht wurden wir von einer kleinen Provinzband zum Thema für "Top Of The Pops". Das ging alles sehr schnell.

Frage: Wir kamt ihr mit der plötzlichen Popularität klar?

Danny: Wir Nordengländer sind sehr bodenständig. Ich glaube, der Rummel stieg uns nicht allzu sehr zu Kopf.

Frage: Die britische Musikpresse ist bekannt für ihre Hypes. Welche Bedeutung habt ihr dem Rummel beigemessen?

Danny: Zunächst ist es natürlich gut, wenn über unbekannte Bands so begeistert berichtet wird. Im Allgemeinen neigt die britische Musikpresse dazu, sehr enthusiastisch über jede neue Band zu schreiben. Aber sie schubsen dich quasi an und danach hängt alles von dir ab, ob du über Wasser bleibst oder untergehst. Ich denke, dass die guten Bands überleben und die schlechten zurückbleiben.

Frage: Man hat euch oft mit Bands wie The Verve und Oasis verglichen. Was haltet ihr davon?

Danny: Nun, Vergleiche mit einer dieser Bands habe ich seit Jahren nicht mehr gehört. Das war nur am Anfang so, aber da wurden fast alle neuen Bands mit diesen beiden Gruppen verglichen, weil die damals so erfolgreich waren. Heute fragt man uns eher, welche Bands wir beeinflusst haben. Dann geht es um Bands wie Coldplay oder Keen, Starsailor oder Snow Patrol, The Doves und so weiter. Es ist heute also genau anders herum. Cool! Es ist doch normal, dass neue Bands durch die Musik geprägt sind, die um sie herum gerade aktuell ist. Und daran ist auch nichts verkehrt. Denn es sind fantastische Bands. Insofern ist es eine Ehre, dazu zu gehören.

Frage: Welche Bands haben euch inspiriert?

Danny: U2 haben mich schon als Kind sehr stark inspiriert, ebenso Joy Division. Und ich habe Echo And The Bunnyman geliebt. Anfangs klangen wir auch genau wie diese Bands. Bis wir dann den Song "Retread" schrieben. Da bemerkten wir, dass wir nicht mehr wie andere Bands klangen. Da war etwas Magisches. Ich hatte Richard eine Kassette mit Songs geschickt, eigentlich war "Retread" der zweite Song, aber Richard hörte ihn aus Versehen zu erst. Er rief mich an und fragte, was das für ein Song sei. Ich fand ihn anfangs viel zu melodisch, es war überhaupt nicht unser damaliger Stil. Aber Richard meinte, das sei genau der Punkt, wir würden wie Echo And The Bunnyman oder Joy Division klingen, während dieser Song einzigartig, neu und anders sei. Das war gewissermaßen der Startschuss für Embrace. Kurz darauf flogen uns die Songs nur so zu. Jede Woche schrieben wir neue Songs. Das war schon verrückt, denn in den drei Jahren bis dahin hatten wir fast gar nichts geschrieben. Wir hatten es stets vergeblich versucht, und plötzlich sprudelten die Songs nur so aus uns heraus.

Frage: Wie ist es Richard, mit dem eigenen Bruder in einer Band zu spielen?

Richard: Wir verstehen uns gut. Sicher, es gibt auch hitzige Momente, in denen wir uns gegenseitig verfluchen. Aber wir werden nie handgreiflich. Nie. Weil Danny mein Bruder ist, nimmt er kein Blatt vor den Mund, sondern sagt genau, was er denkt. Manchmal ist das natürlich hart. Bei Freunden, weiß man, wie weit man gehen darf. Beim eigenen Bruder ist es dir egal, wie weit du gehst. Aber wir wissen beide, wie wir das nehmen müssen, ohne wirklich böse auf einander zu werden.

Danny: Da stimme ich zu. Die Tatsache, dass wir Brüder sind, macht uns stärker. Denn wenn mir zum Beispiel eine seiner Ideen nicht gefällt, sage ich ihm das direkt, und umgekehrt genauso. Auf diese Weise verschwenden wir keine Zeit, während man sich in anderen Bands oft zu viel Gedanken darüber macht, den anderen nicht zu verletzen. Nicht so bei uns. Wir sagen, was wir denken. Und das führt zu besserer Musik, denke ich.

Frage: Wer schreibt bei euch die Songs?

Danny: Wir beide, zu gleichen Teilen. Ich neige eher zu den introspektiven Stücken. Während Richard die unmittelbaren, direkten Songs schreibt. Zugleich schaffen wir es aber auch, dass Richard Stücke schreibt, die klingen, als wären sie von mir, und umgekehrt. Von Richard stammen beispielsweise die Strophen zu "Ashes", die sich eigentlich anhören, als hätte ich sie geschrieben. Während ich den Refrain dazu geschrieben habe, der wiederum eher nach Richard klingt. Wir sind uns, glaube ich, sehr ähnlich.

Frage: Wie würdet ihr euch gegenseitig beschreiben? Richard, was für ein Typ ist Danny?

Richard: Er ist recht ernsthaft, hartnäckig, fast schon krankhaft genau.

Danny: Vielen Dank. Richard ist der Wächter am Abgrund. Wenn alles gut läuft, kommt er garantiert und erklärt dir, warum es nicht funktioniert und warum man es besser machen sollte. Aber er ist voller Elan. Wenn er Gitarre spielt, lebt er auf. Er ist eins mit seinem Instrument. Du solltest ihn mal auf der Bühne erleben. Manchmal muss man ihn regelrecht zurückhalten, so voller Energie ist er. Wenn er etwas macht, dann aus vollem Herzen.

Frage: Wie ehrgeizig seid ihr, wenn es um Musik oder deren Produktion geht?

Danny: Wenn man so lange und intensiv an einem Album arbeitet, wie wir es drei Jahre lange getan haben und dabei rund 500 Songs zusammenstellt, dann willst du das natürlich in einer Form umsetzen, die deine Arbeit in keiner Weise herabsetzt. Deshalb ist es wichtig, dass alles, was wir jetzt tun, unsere bisher investierte Arbeit nicht schmälert. Da muss das Video großartig sein und ebenso das Cover. Alles, was damit zu tun hat, muss dann so gut wie möglich sein, um der Arbeit, die du investiert hast, gerecht zu werden. In diesem Sinne sind wir sicher ehrgeizig. Aber andererseits sind die Charts so voll von Mist, dass es ein Fehler wäre, den eigenen Erfolg an Chartsplatzierungen zu messen. Viel wichtiger ist es, zu dem zu stehen, was du machst. Dann bist du am besten und andere können das erkennen.


Frage: Wieso habt ihr mit "Gravity" als erste Single des Albums einen Song gewählt, der nicht von euch ist, sondern den Chris Martin von Coldplay geschrieben hat?

Danny: Coldplay spielten im Vorprogramm von Embrace im "Blackpool Empress Ballroom", vor vier oder fünf Jahren, noch bevor ihr erstes Album erschien und "Yellow" ein großer Erfolg wurde. Chris und ich wurden enge Freunde. Wir spielen uns gegenseitig immer Ideen am Telefon vor. Vor einiger Zeit schrieb Chris den Song "Gravity". Ich fand ihn großartig. Ich mochte ihn sofort und erzählte Richard davon. Es geschieht sehr selten, dass ich die Arbeit von jemand anderem mag, wenn wir gerade mitten in der Arbeit an einem eigenen Album stecken. Dann bin ich sehr kritisch, nicht nur mir selbst, sondern auch der Arbeit anderer gegenüber. Richard war erst skeptisch, dann aber ebenfalls begeistert. Denn irgendwie klingt der Song wie ein Embrace-Song, er erinnert ein wenig an "Fireworks". Die ersten drei Akkorde sind dieselben. Ich fand ihn schön, aber Chris meinte, der Song klinge zu sehr nach uns. Kurz gesagt: einen Monat bevor wir ins Studio gingen, um das Album fertig zu stellen, rief er mich an und fragte mich, ob ich "Gravity" haben möchte. Ich war zunächst zurückhaltend, denn ich finde, es ist einer der schönsten Songs, die er je geschrieben hat. Ich meinte, er solle ihn selbst aufnehmen. Also sagte ich, dass ich erst mit meinem Bruder und dem Rest der Band darüber sprechen müsste. Ich sagte, ich melde mich dann, und er meinte, ok, fein. Also sprach ich mit der Band, und wir beschlossen, den Song aufzunehmen. Sollte er gelingen, würden wir ihn nehmen, falls nicht, dann nicht. Wir nahmen ihn auf und er wurde richtig gut. Es vielleicht der beste Song, den ich je gesungen habe. Es ist eigentlich ein sehr einfacher Song, der aber aus einer Freundschaft herrührt, während die meisten anderen unseren Songs ja eher Ergebnisse unseres fast schon Mönch-artigen Lebens als Songschreiber sind. Selbst meinen Geburtstag, der an Silvester ist, habe ich allein zu hause mit einer akustischen Gitarre verbracht und Songs geschrieben. "Gravity" entstand aus einer Freundschaft, nicht aus Einsamkeit. Und das ist ein schönes Gefühl. Die Gelegenheit, solch einen Song veröffentlichen zu können, der eigentlich keine typische Single ist, nämlich eine Ballade ohne großen Refrain, ist ebenfalls gut. Früher haben wir nämlich solche Songs geschrieben, wie "Fireworks" oder "Draw From Memory". Ihnen fehlte aber stets das, was Plattenfirmen einen "sexy Aufhänger" nennen würden, um als Single veröffentlicht zu werden. Dieser Song hingegen hat es. Die Plattenfirma kam zu uns und riet uns "Gravity" als Single zu veröffentlichen, weil dann andere Songs wie "Ashes" oder "Some Day", die viel eher Kandidaten für eine Single wären, dann viel besser laufen würden. Denn "Gravity" würde uns Türen öffnen. Es brachte uns auf jeden Fall wieder ins Gespräch. Und für Chris war es ein erstaunliches Geschenk, etwas Derartiges zu tun. Denn sowohl Richard und ich sind gute Songwriter als auch er. Aber egal wie gut du bist, ist es schon viel, wenn du zwei bis drei derart gute Songs pro Jahr schreibst. Und er hat uns einfach einen geschenkt. Das ist das Erstaunlichste, was man je tun kann. Denn es ist sehr schwer, Songs zu schreiben, die so gut sind. Aber er hat es getan. Also war es eine Ehre für uns, es zu tun. Und er ist von unserer Version begeistert, wenngleich er sie für etwas schnell hält.

Frage: Chris Martin hält eure Version von "Gravity" für zu schnell??

Danny: Seine Versionen sind viel langsamer. Und sie haben auch kein Schlagzeug oder Gitarren. Aber er mag unsere Version.

Frage: Wo seht ihr die Unterschiede zwischen "Out Of Nothing" und euren drei anderen Alben?

Danny: Ich denke, wir zeigen auf diesem Album zum ersten Mal wirklich, wie gut wir als Live Band sind. Das hatten wir schon immer vor, aber jetzt haben wir erstmals getan. Der Grund dafür ist Youth, unser Produzent. Er hat uns aus der Reserve geholt. Als wir vor drei Jahre bei Independiente unterschrieben, schworen wir uns, dieses Album nicht eher zu veröffentlichen, bevor es unser bestes sei. Nach drei Jahren Arbeit und 500 Songs, denke ich, ist uns das gelungen. Da liegt der Unterschied - in der Qualität. Es ist das Beste, was wir je gemacht haben.

Frage: Warum habt ihr Youth als Produzent gewählt?

Richard: Wir hatten bereits mit ihm gearbeitet. Nach dem dritten Album hatten wir beschlossen, beim nächsten Mal mit einem traditionellen Produzenten la George Martin oder Rick Rubin zu arbeiten. Einer, der das Mischpult nicht berührt, sondern sich im Hintergrund hält und der Musik zuhört. Wie immer durchstöberten wir dazu unsere CD-Sammlung und stellen eine kleine Liste zusammen. Ich wollte sehr gerne mit Daniel Lanois arbeiten. Ich mag, was er bei U2 gemacht hat. Aber dann kam Youth ins Spiel. Der Kontakt entstand durch Big Life, die unsere ersten beiden Alben gemanagt hatten und bei denen auch Youth ist. Man gab ihm unsere Demos. Er meinte, es seien die besten, die wir je gemacht hätten und wollte mit uns arbeiten. Für uns als Band ohne richtigen Vertrag war es natürlich eine große Ehre, mit einem derart erfolgreichen Produzenten wie ihm zu arbeiten. Also trafen wir uns und spielten ihm unsere Sachen vor. Er lag auf dem Boden, rauchte Spliffs und es kam es uns vor, als gehörte er zur Familie. Zu ersten Mal mit einem echten Künstler wie ihm zu arbeiten, förderte bisher ungeahnte und ungenutzte Fähigkeiten in uns zu Tage. Wir waren richtig heiß drauf, dass er unsere Musik auf seine Weise bearbeitet und wollten ihm dabei freie Hand lassen.

Danny: Früher hatten wir uns stets selbst produziert. Nach diesem Album kam uns das ziemlich blöd vor. Denn dieses Album profitiert definitiv davon, dass es einen Produzenten hatte. Zugegeben, man soll nicht bedauern, was man getan hat, und wir wären auch nicht bis zu diesem Album gekommen, hätten wir es nicht so getan, wie wir es getan haben. Aber ich frage mich schon, wie gut unsere anderen Alben wohl geworden wären, wenn wir damals schon mit einem solch guten Produzenten wie ihm gearbeitet hätten. Er hat hier eine fantastische Arbeit abgeliefert.

Frage: Wie war die Arbeit mit Youth?

Danny: Anfangs war es sehr hart. Die ersten Wochen waren die Hölle. Ich habe nämlich sehr klare Vorstellungen davon, wie ein Song klingen soll, und bei Richard ist es genau so. Wir hatten drei Jahre an den Songs gearbeitet, sie live gespielt und wussten genau, was wir wollten. Dann kam er und schmiss alles um, schmiss alles einfach in die Luft, um zu sehen, wo es landet. Das war wirklich beängstigend. Während der ersten Wochen musste ich Tabletten nehmen, um meinen Herzschlag gleichmäßig zu halten. Ich schlief kaum noch und stand unter großem Stress. Ich war sogar soweit, auszusteigen, meinen Namen zu ändern, mir einen Bart wachsen zu lassen, auf die Isle Of Man auszuwandern und unterwegs mein Handy ins Meer zu werfen. Ich wollte mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun haben und Youth nie wieder sehen. Ich hatte die Nase gestrichen voll. Aber dann merkte ich, dass der Rest der Band begeistert war von dem, was wir taten. Nach sechs Wochen stellte ich fest, das Youth in neunzig Prozent unserer Auseinandersetzungen Recht gehabt hatte. Und dass ich mein Ego und meinen Stolz außen vor lassen musste, um mich für ein unberechenbares Genie wie Youth zu öffnen. Letztlich behinderte mein Wunsch nach Kontrolle die Arbeit an einem wirklich guten Album. Erst als ich ihn seine Arbeit machen ließ, konnte ich mich ganz auf den Gesang und so weiter konzentrieren. Das machte vieles einfacher. Der Grund, warum "Gravity" so zuversichtlich klingt ist, weil es der letzte Song war, den wir aufnahmen. Zu diesem Zeitpunkt lagen alle Streitigkeiten bereits hinter uns und wir wussten, was wir wollten. Daher freue ich mich jetzt schon darauf, das nächste Album mit ihm aufzunehmen. Denn heute wissen wir, wo wir stehen und vertrauen einander von Anfang an. Auch wenn du natürlich nie vorhersagen kannst, wie es laufen wird. Ich bin nach wie vor nervös und hoffentlich wird die Arbeit mit Youth wieder schwierig, denn gute Musik zu produzieren, ist nun mal schwierig. Sobald es einfach wird, sollte man aufhören. Denn dann beginnst du, dich auf deinen Lorbeeren auszuruhen und forderst dich nicht mehr genug. Nachdem ich also anfangs nie wieder mit ihm arbeiten wollte, sind wir am Ende doch enge Freunde geworden. Das war ein echter Lernprozess für mich.

Frage: Ist Youth teuer?

Danny: Oh ja. Er ist eine Art Über-Produzent und das kostet natürlich ein Vermögen pro Track. Und die Olympic Studios sind ebenfalls sehr teuer. Außerdem haben wir mit einem 24-köpfigen Orchester gearbeitet. Das ist teuer. Und wir haben drei Jahre an dem Album gearbeitet. Das kostet ebenfalls viel Geld. Es hat uns jeden Penny gekostet, den wir hatten. Wir sind jetzt pleite. Wenn dieses Album nicht läuft, sind wir am Arsch.

Frage: Was könnt ihr zu den Texten des Albums sagen?

Danny: Das variiert sehr. Ich wähle nicht bewusst Themen, sondern versuche, den Song sich natürlich entwickeln zu lassen. Aber es gibt einen Song, er heißt "Wish 'Em All". Er hat mit einem Herzfehler zu tun, den ich habe. Mein Herz macht manchmal, was es will. Es schlägt nicht sehr gleichmäßig. Ich muss Tabletten nehmen, um das zu regulieren. Irgendwann hatte ich genug davon und fühlte mich zu jung dafür. Also ging ich zu einem Hypnotiseur. Er versprach, mich zu heilen und brachte mich zurück in meine Kindheit, zu einem Punkt, als ich dreieinhalb Jahre alt war. Unter Hypnose reiste ich als Erwachsener zurück in meine Kindheit und setzte den Dreijährigen auf mein Knie. Als Kind hatte ich mich oft vor der Dunkelheit gefürchtet, das tue ich heute auch noch ein bisschen. Ich sagte meinem dreijährigen Alter Ego, dass er sich nicht vor der Dunkelheit fürchten müsse. Ich führte ihm mit der Hand ein paar Schattenspiele vor, um dem Kind in mir zu zeigen, dass man Licht und Dunkelheit beherrschen kann. "Wish 'Em All" ist eine Art Wiegenlied an mich, das ich als dreißigjähriger Mann einem dreijährigen Kind in mir vorsinge. Dort heißt es: "Stars Are Veiling In The Sky/ I Guard The Last Of My Line/ Like A Sleeping Army I Will Wait/ To Drum The Devils Out Of Your Dreams/ And Sent Them All To Meet Me/ I Will Lay Me Down Until You're Safe/ So That You'll Have Nothing To Fear/ If You Close Your Eyes And Wish It All Away". Es ist ein Schlaflied, ein bisschen wie "Summertime", in dem es ja auch darum geht, dass dir nichts geschieht, solange ich bei dir bin. Ich wollte ein Schlaflied, das uns an das Kind in uns erinnert, aber auch, dass man heute erwachsen ist und mit den Ängsten von damals umgehen kann. Darum geht es in "Wish 'Em All". Alle Songs des Albums haben eine ähnlich lange Geschichte.

Frage: Embrace (dt. "Umarmung") ist ein sehr romantischer Name. Wie kamt ihr darauf?

Richard: Damals schien uns der Name gar nicht so romantisch. Wir suchten ganz einfach einen Namen und hatten bereits einige furchtbare zur Auswahl, wie The Bus Conductors, Shimmer und Curious Orange, den unser damaliger Bassist vorschlug, der heute nicht mehr dabei ist, weil wir ihn daraufhin feuerten. Embrace gefiel uns, weil damals gerade Bandnamen aus einem Wort angesagt waren. Danny, Mike und ich fanden den Namen toll. Unseren ersten Auftritt als Embrace hatten wir so um 1994/ 95, das ist lange her. Wenn unsere Biographie geschrieben wird, werden Journalisten im Wörterbuch "Embrace" nachschlagen und es als "Umarmung aller Ideen und Kulturen" interpretieren und diesen ganzen Hippie-Kram. Wir hatten den Namen aber einfach gewählt, weil es der erste war, den wir unseren Freunden nennen konnten, ohne vor Peinlichkeit rot zu werden. Er blieb hängen.

Frage: Seid ihr romantisch?

Danny: Ich denke schon, dass ich es bin. Das ist wohl ein Grund, warum ich diesen Beruf mag, weil er etwas Romantisches hat. Wir geben beispielsweise gerne geheime Konzerte. In unserer Musik kombinieren wir Naivität mit verwirrender empfindsamer Wohligkeit. Ja, ich bin definitiv romantisch.

Frage: Wieso heißt das Album "Out Of Nothing"?

Danny: Wir hatten das Gefühl, als käme es aus dem Nichts. Man kann buchstäblich zehn Stunden pro Tag sitzen und schreiben, wochen- und monatelang, ohne etwas zustande zu bringen. Bis plötzlich eine Idee kommt, und dann kommt es einem tatsächlich vor, als käme sie aus dem Nichts. Du kannst einen Song nicht erzwingen. Manche Leute versuchen das, aber das haut selten hin. Ein Song muss aus Inspiration entstehen und buchstäblich aus dem Nichts kommen. Man sucht oft so lange nach guten Ideen, dass es etwas Besonderes ist, wenn sie sich einstellen. Dann fragst du dich, meine Güte, wo kommt die jetzt her? Die einzige Antwort darauf lautet: Aus dem Nichts. Könnte man einen Song nach Plan entwerfen, dann entstünden gute Songs regelmäßig. Aber so bliebt man oft Jahre ohne einen Song, bis plötzlich fünf auf einmal kommen. Daher halte ich "Out Of Nothing" für passend. Auch weil wir am Anfang dieser Platte nichts hatten. Wir waren pleite und hatten kein Label. Wir hatten nichts außer uns und den Glauben an uns. Aber wir haben es geschafft, einfach weil wir an die Zukunft und die der Musik glaubten. Da lief es plötzlich, quasi aus dem Nichts. Viele Leute dachten wohl schon, wir hätten uns getrennt oder seien gestorben. Aber wir sind noch da und wieder zurück.

Frage: Wann kommt ihr für Konzerte nach Deutschland?

Danny: Wir möchten auf jeden Fall noch vor Jahresende in Deutschland spielen. Wir haben gestern mit unserem neuen Label Sony Music darüber gesprochen. Hoffentlich klärt sich das alles rasch. Aber wir wollen definitiv wieder herkommen und hier spielen. Wenn man nicht verreist, weiß man nichts über die unterschiedlichen Kulturen. Aber was ich Deutschland mag, ist dieser überwältigende Optimismus der Menschen und die gleichzeitig entwaffnende Bescheidenheit, die man beispielsweise in Frankreich oder Holland nicht findet. Das ist einzigartig in Deutschland. Das macht Auftritte hier viel emotionaler als irgendwo anders in Europa. Deshalb möchten wir gerne wieder herkommen. Das einzige, was uns hier nicht gefällt ist, dass es andauernd Schinken und Käse gibt. Das kriegen wir jedes Mal, wenn wir herkommen. Es gibt immer nur Schinken oder Käse. Aber alles andere ist großartig, die Menschen und so weiter. Es gefällt mir.

In den Videoclip zur Single "Gravity" kann man gleich jetzt reinschauen - einfach hier klicken (Windows Media Video).

Mehr zu Embrace findet man auf ihrer Artistpage.

(Tobi)