CTS-MUM
ASHTRAYHEAD (04/98)


Kein geringerer als Marc Heal - Mastermind CUBANATEs und Mitglied des CYBER-TEC PROJECTs bzw. C-TECs - verbirgt sich hinter dem 'Newcomer' ASHTRAYHEAD. Dieses neue Projekt seinerseits beinhaltet, rein stilistisch betrachtet, in kommerzielleren, tanzbaren Gefilden angesiedelte elektronische Musik mit phasenweisen House- bzw. Techno-Einflüssen und deutlich weniger Gitarreneinsätzen als das beispielsweise bei CUBANATE der Fall ist. Mr. Heal scheint einfach rastlos, alles andere als arbeitsscheu, immer und überall zu sein. "Ich habe gerade das C-TEC-Album fertiggestellt und bin wirklich zufrieden damit. Ich glaube das Album wird eine Menge Leute überraschen. CUBANATE haben gerade einen Plattenvertrag mit VT/Wax Trax in New York abgeschlossen, und ich werde nun mit dem nächsten Album beginnen. Ich war auch gerade mit Martin Atkins in Chicago, wo ich einiges für das neue PIGFACE-Album eingesungen habe. Zusätzlich sitze ich an diversen Remixen wie zum Beispiel meinem nächsten Mix für SHEEP ON DRUGS. Desweiteren arbeite ich mit einer sehr glamourösen weiblichen Sängerin an einem neuen Projekt namens PINK. Und natürlich ist da auch noch ASHTRAYHEAD ..." Die größten Erfolge hat er mit diesen seinen Aktivitäten, seiner Musik bislang zweifelsohne in Amerika. Zu C-TEC kam er übrigens, weil "sie nach 'Let your body learn' interne Bandprobleme hatten. Jemand wurde hinausgeworfen - dazu sollte man die Bandmitglieder lieber persönlich befragen. Die Details kenne ich nicht. Sie fragten mich jedenfalls, ob ich einsteigen wolle. Ich war bei einigen Gigs dabei, kam aber nicht richtig hinein bevor wir mit dem Album begannen. Jeder der wußte wie wir uns zur Zeit der Gigs anhörten, wird über das Album erstaunt sein! Das ist jetzt eine gänzlich andere Band, eine viel bessere. Rhys Fulber von FRONTLINE war für ein paar Tage anwesend, und er steuerte ein paar exzellente Ideen bei, die einen deutlichen Unterschied bewirkten. Es ist ein sehr radikales Album."
Seinen ersten Synthesizer leistete sich Marc im Alter von 17 Jahren. Er wurde niemals professionell an einem Instrument unterrichtet - ein Selfmademusiker eben. Fünfzehn Jahre sind seither vergangen, und die Musik wurde zu seinem Lebensinhalt. In seinen diversen Formationen und Projekten nutzt er die Möglichkeiten, sich auf verschiedene Art und Weise auszudrücken. Der Hauptunterschied zwischen ASHTRAYHEAD und CUBANATE beispielsweise besteht Marcs Ansicht nach darin, daß CUBANATE härter und ernster als ASHTRAYHEAD ist. Mit seiner neusten Band möchte er einfach Spaß haben, Leute schocken oder auf die Schippe nehmen. Es ist eine Art musikalischer schwarzer Humor. "Ich hasse Menschen ohne Sinn für Humor, und davon gibt es eine Menge in der 'Industrial'-Szene." Um sich von eben diesen verachteten Kreaturen abzuheben übertreibt und reizt Marc mit Vorliebe, was nicht nur die Entstehung und Namensgebung ASHTRAYHEADs betrifft! "Das ist eben SEIN Name!" Auf dem Cover sei ER zu sehen. So laufe er immer umher. Die Zigaretten seien ihm in seinen Schädel implantiert. Das sei aufwendig gewesen, doch schließlich habe er sich damit zukünftig die riesigen Friseurrechnungen erspart. Marc Heal selbst, John Simonds, Sly Rapely, Beezer und Doug Martin, sie alle seien nur kleine Räder in der Maschinerie des großen Mannes, Sklaven des HEADs. Der ASHTRAYHEAD habe ihn dazu gezwungen das gleichnamige Projekt ins Leben zu rufen. Alle Inhalte spiegeln persönliche Erlebnisse und Neigungen des Peinigers wider. Er bestimme worüber und was gesungen und gespielt werde. Sonst ...! Unter diesem Leistungsdruck, dieser immerwährenden Bedrohung durch Gewalt gibt der vielbeschäftigte Musiker preis: "Natürlich interessiert mich generell Gewalt. Aber richtige Gewalt wird zu etwas ganz anderem, wenn sie dir selbst widerfährt. CUBANATE waren beispielsweise 'mal im Süden Afrikas, als ich dort mitten in eine Schießerei zwischen Polizei und einem Kriminellen geriet. Sie töteten ihn, schossen ihm genau vor meinen Augen in den Kopf. Zu sehen wie jemand umgebracht wird, ... ich meine, das ist schon interessant. Ich weiß nicht - ich glaube mein Leben ist nicht verrückt, aber ich glaube verrückter als in einer Bank zu arbeiten. Oder?! ... Sieh es doch so: Ich brauche das nicht zu spielen, der Hang, der Bezug zu Gewalt ist einfach dort in meinem Innern, aber das ist auch nur ein Element meiner Persönlichkeit. Ich möchte gerne glauben, daß da mehr in mir ist als pure Liederlichkeit und Aggression, aber ... vielleicht auch nicht!" Der ASHTRAYHEAD ist ein extremer Voyeur, liebt Pornographie - was sich auch in den Texten der Songs seines Albums widerspiegelt. "Immer nah an Euren Vorhängen bevor ihr euch entkleidet, girls! Ihr könnt niemals sicher sein, ob er nicht gerade vor eurem Fenster lauert ...!" Für seinen Meister setzt Marc sein Lieblingsinstrument (den Sampler) nach bestem Wissen und Gewissen ein. "Mit diesem einen Gerät hast Du alle Instrumente die Dein Herz begehrt auf einmal!" Zwei Akai S 3200-Sampler - voll ausgereizt - sind für den 100%igen ASHTRAYHEAD-Sound verantwortlich. Daß das Debut-Album Stücke derart unterschiedlichen Charakters beherbergt geschah bei ständiger Überwachung durch den HEAD eher unbeabsichtigt. Die aktuelleren - und daher für den Fortgang wegweisenderen Tracks sind "Playmate", "Godprawn" (beide im Juli 1995 innerhalb eines Tages komponiert und studiotauglich eingespielt!) und letztendlich "Phonecall" (im Mai letzten Jahres). Seit 1994 wuchs das Werk ASHTRAYHEADs Stück für Stück. "Mein Lieblingssong ist 'Pornostar'." pflichtet Marc bei. Mit den ebenfalls auf der Platte befindlichen Remixen zweier Albumtracks wollte er der CD schlicht und ergreifend eine gewisse Wertigkeit verleihen. Es sind ausgedehntere Versionen, die aber sonst nirgends mehr auftauchen werden - weder als Maxi, noch als Samplerbeitrag etc. "Ich mag es einfach sehr zu remixen, und ich wünschte ich hätte die Zeit noch mehr Remixe anzufertigen." Und wenn wir gerade bei Wünschen angelangt sind: "Es gibt bestimmte Leute, mit denen ich unheimlich gerne einmal zusammenarbeiten würde, mit denen es ein großes Erlebnis sein muß zusammenzuarbeiten. Neulich war ich mit FRONT 242 im Studio, und es ist sehr nützlich zu beobachten, wie sie diverse Dinge anpacken - schäme dich niemals etwas hinzu zu lernen! Zu den Dingen, die ich immernoch gerne mal tun würde gehört auch der Wunsch mit MINISTRY zu touren, das nächste ASHTRAYHEAD-Album von Ron und Russel Mael produziert zu bekommen - ich bin ein SPARKS-Fan seit meinem neunten Lebensjahr -, und kürzlich hörte ich mir ein paar alte DANIELLE DAX-Alben an; Ich würde gerne mal mit ihr zusammenarbeiten (ich traf sie vor einiger Zeit - sie ist wirklich ehrfurchtgebietend). Dann, eher langweiligerweise, würde ich gerne in den nächsten Jahren ein Label gründen." Abschließend erklärt Marc Heal noch - was Live-Auftritte ASHTRAYHEADs in Deutschland betrifft: "Dieses Jahr nicht mehr, weil ER unterwegs ist und ich einfach zu beschäftigt bin. Vielleicht beim nächsten Album!"

(Mo)