CTS-MUM
KÜRSCHE (04/98)


Kürsche nennt sich ein Künstler, der alleine mit seiner Akustikgitarre in Liedermachermanier die Zuschauer in seinen Bann zieht. Als Support für Fury In The Slaughterhouse stellte er dieses 1995 unter Beweis. Andreas "Bär" Lasker, Manager der Fanta 4 und Labelchef von Bear Music, war anscheinend ebenso begeistert, in jedem Fall nahm er Kürsche unter Vertrag und produzierte seinen ersten Longplayer "I'm Here". Hier ein kleines Interview mit Kürsche.

MUM: Beginne ich mal mit einer schlauen Frage. Warum nennst Du Dich Kürsche? Warum mit "ü"?

K: Kürsche ist mein Spitzname seit der 5. Klasse, meinen richtigen Namen verrate ich nicht.

MUM: Okay, Tomate. Wie kamen damals die Furys darauf, Dich mit auf Tour zu nehmen?

K: Meine Band, in der ich spielte, löste sich auf und ich wollte meine "One Man Band" starten. Da ich die Furys kenne, fragte ich sie, ob ich bei ihnen im Vorprogramm spielen könnte. Sie fanden die Idee gut und nahmen mich, wegen des großen Erfolges, das ganze Jahr 1995 mit auf Tour.

MUM: Trittst Du live immer alleine mit Deiner Klampfe auf, oder stören da etwa noch andere Musiker?

K: Ich trete live alleine auf. Vielleicht werde ich in naher Zukunft wieder mit Band auf der Bühne stehen. Zur Zeit gefällt es mir aber noch sehr gut alleine. Oder mal eine 20-köpfige Band.

MUM: Siehst Du Dich als Liedermacher in guter alter Tradition?

K: Die Leute stecken einen ja immer wieder gerne in Schubladen. Wenn Du so willst: ja, ja.

MUM: Bist Du musikalisch ausgebildet ... oder ist das einfach Talent, was Du da zeigst?

K: Ich bin ein ausgebildetes Talent!? Was immer das heißen mag.

MUM: Hast Du auch mal in einer Band gespielt? Wenn ja, warum bist Du ausgestiegen oder gefeuert worden?

K: Meine Band "Storemage" hat sich vor ca. 3 Jahren aufgelöst. Wir haben uns einfach nicht mehr verstanden.

MUM: Was ist für Dich das Wichtigste, wenn Du einen neuen Song machst (etwa Melodien???)?

K: Das Wichtigste ist, daß das Feeling rüberkommt, und daß es die Leute berührt.

MUM: Schreibst Du Deine Songs oder zupfst Du die Gitarre und kommst so improvisierend zu neuen Stücken?

K: Die besten Songs schreibe ich, wenn mich etwas berührt hat und ich dies dann in Musik und Text ausdrücken kann. Es ist dann eine hochkonzentrierte Phase, in der beides zusammen aus mir raus sprudelt.

MUM: Was ist zuerst da, Musik oder Text?

K: Musik und Textidee zusammen.

MUM: Was willst Du mit Deinen Texten ausdrücken?

K: Die Texte helfen mir, das Gefühl in Erinnerung zu halten und zu unterstützen.

MUM: Wen willst Du mit Deiner Musik erreichen?

K: Alle Leute, die sich von meiner Musik angesprochen fühlen, und natürlich die kleine Blonde, die auf meinem letzten Konzert in Berlin da war!

MUM: Welche Musiker haben Dich beeinflußt?

K: Beatles, Police, Sting, Rolling Stones, Oasis, Joe Jackson, Ezio, Fury, James Brown, Red Hot Chili Peppers, Miachel Jackson, Mozart, The Jam, Anger 77, Sex Pistols, ...

MUM: Denkst Du, daß man mit einer Scheibe wie "I'm Here" heutzutage noch erfolgreich werden kann, oder bist Du ein paar Jahrzehnte zu spät zur Welt gekommen?

K: Ich bin jetzt hier und so drücke ich mich aus. Entweder gefällt es den Leuten oder nicht.

MUM: Gibt es einen persönlichen Favoriten auf der Scheibe für Dich?

K: Das verändert sich ständig bei mir. Zur Zeit sind es "More And More", "Sunshine", "I Like You" und "Forever".

MUM: Mir gefallen die Lieder umso besser, je weniger andere Instrumente Dich und Deine Klampfe begleiten. Warum hast Du nicht rein akustisch eingespielt?

K: Das Album sollte abwechslungsreich sein. Es hat Spaß gemacht, sie so zu produzieren und ich wollte jedem Song gerecht werden und meine Vorstellungen verwirklichen.

MUM: Die "More And More"-Maxi-CD bietet jedem den richtigen Mix, man kann sie aber nicht einfach durchhören, da einem sonst der Songs aus den Ohren quillt. Siehst Du das ähnlich?

K: Ja, okay, aber ich wollte auch, daß die Leute so viel wie möglich für ihr Geld bekommen. Ich bin froh, daß sich die Plattenfirma darauf eingelassen hat.

MUM: Wie bist Du eigentlich zur Musik gekommen?

K: Ich habe mit acht Jahren mein erstes Liebeslied geschrieben auf einer kaputten Gitarre mit 3 Saiten drauf (und wahrscheinlich für eine Barbie-Puppe). Die Beatles haben mich sehr beeindruckt und dann wurde mir mit elf Jahren ein Gitarrenkurs angeboten, schwupp wurde ich Komponist.

MUM: Erzähl den Leser bitte etwas über die Person Kürsche. Wie alt bist Du, wo und warum lebst Du, was ißt Du am liebsten, womit begießt Du tolle Konzerte, welches weibliche (oder männliche?) Wesen treibt Dir Schaum vor den Mund ... na sowas eben alles?!?

K: Ich bin 26 Jahre alt, habe schöne blaue Augen. Ich bin 180 cm groß und habe Muskeln ohne Ende. Ich esse am liebsten Pasta und italienischen Wein (also ich trinke den immer, bevor er in Stücken vorliegt). Ich lebe in London, wenn ich nicht gerade in New York bin, wenn ich nicht gerade in Paris bin, wenn ich nicht gerade in Rom bin. Wenn ich Nena sehe, falle ich fast in Ohnmacht. (Wieso, riecht die so übel??? Hmm, Ich übersetze Kürsche mal rasch frei nach Schnauze: Ich bin mindestens 37 Jahre alt, habe keine Augen, bin 120 cm kurz und habe nicht einen Muskel. Ich esse nur Knäckebrot und trinke nur Urin von Nena. Ich lebe in Poppenhausen, mein Lieblingsspiel ist "Weltreise", aber "Schummellieschen" ist auch nicht übel. Besonders toll fand ich es, als Nena in Berlin als kleine Blonde anhimmelnd vor mir kniete. Na ja, so in der Art wird er es gemeint haben)

MUM: Auf Deiner CD steht "And I'm Better Than TV"? Besitzt Du etwa keine Glotze, lachst Dich nicht über die "Simpsons" schlapp und sabberst bei "Peep!"???

K: Nein, nein! Die Leute sollen bloß auf meine Konzerte kommen und nicht ewig TV glotzen, das ist es.

MUM: Welcher lebenden Person würdest Du gerne mal begegnen, welcher toten (also wenn sie noch leben würde, meine ich!)?

K: Harpo von den Marx Brothers.

MUM: Kannst Du Kirschkuchen backen?

K: Nein, aber ich schätze, die kleine Blonde aus Berlin.

MUM: Mit welcher Band würdest Du gerne mal auftreten?

K: The Police. (Reunion zu Ehren Kürsches, das wäre es doch!)

MUM: Ist es im Sommer nicht warm mit der Pudelmütze, die trägst Du doch auch nachts, oder?

K: Im Winter wärmt sie mich, im Sommer kühlt sie mich und nachts schlafe ich auch mit ihr, ja. (...und ich mit der kleinen Blonden aus Berlin, hä, hä!)

MUM: Auf dem Cover der CD ist Dein eines Hosenbein länger, ich weiß nicht, ob Dir das schon aufgefallen ist... peinlich, was?

K: Ich wollte nur mehr Bein zeigen, vielleicht kriege ich die Blonde ja damit rum.

MUM: Meine Freundin verstand letztens auf der Fahrt nach Hamburg bei "Likeable" immer "She's so like a bull". Krass, oder? Kannst Du nicht bitte deutlicher singen?

K: ökaöhrqh alUwhföh öhnayöjj nyöxch yvölkjlkjval ?!!!? (Na bitte, geht doch!)

MUM: Danke für das Interview.

Ja, soweit also Kürsche auf der Suche nach der kleinen Blonden, in der Hoffnung, daß sie das Interview liest. Steht Ihr auf gefühlvollen, akustischen Gitarrenpop mit guten Melodien, so lauscht mal in seine CD rein.

(Tobi)