CTS-MUM
MC SULTAN (05/99)


MC Sultan nennt sich eine Formation aus Österreich, die mich mit ihrem Album völlig überzeugte. Zur Erinnerung hier nochmals der Rezensionstext:
Ein Multi-Kulti-Album legen die drei Jungs von MC Sultan aus Wien mit ihrem "Super Ethno Astronaut" vor. Die 14 Tracks auf 61 Minuten sind sehr abwechslungsreich, und das in jeder Hinsicht. Musikalisch liegen sie zwischen Pop und HipHop, versetzt mit R&B, orientalischen Elementen, bluesigen, souligen oder funkigen Momenten. Die Stücke grooven gut oder nehmen einen mit ihrer tollen Stimmung gefangen, sind vor allem klanglich auch ein Erlebnis, einfach super gemacht. Sprachlich hat man es nicht nur mit englischen Texten zu tun, nein, hier hört man auch Französisch, Deutsch, Türkisch, Italienisch oder sogar Swahili. Zusätzlich geben diverse Gastmusiker wie Prince Zeka, Iceman, Daddy D oder Elisabeth Troy dem Album seine Würze. Eine Scheibe, die seit Tagen in meinem CD-Player rotiert, und das nicht, weil ich sie dort vergessen habe oder zu faul bin, sie rauszunehmen. Hört unbedingt rein, diese CD ist für Freunde von Pop und schwarzer Musik ein Muß, und für alle, die intelligente, gute Musik bevorzugen. Hervorragend.
Grund genug, den Jungs ein paar Fragen zu servieren, und hierfür wand ich mich an Mario, der neben seiner Stimme auch an der Gitarre zu hören ist und die Scheibe co-produziert hat.

MUM: Erst einmal Glückwunsch zu einem superguten Album, das bei meiner Rezension die Höchstnote verpasst bekam. Wie würdet Ihr Euren Musikstil beschreiben?

M: Musik mit viel Seele und Offenheit, speziell und eigen, das Leben, deep usw. Die Beschreibung klingt ein bißchen melodramatisch. In Konsumentensprache formuliert: oriental flavour meets urban soul, oder so.

MUM: Erzählt doch bitte ein wenig über die Bandentstehung und -geschichte bis heute.

M: Die Band gibt es ca. fünf Jahre. Ursprünglich war es ein Integrationsprojekt, bei dem Jugendliche der zweiten Generation von Gastarbeiterkindern die Musik Ihrer Heimat mit der Musik des Westens vermischen. Aus diesem Projekt wurde dann eine Band und 'Familie'.

MUM: Wie kam es zu den Zusammenarbeiten mit anderen Musikern für das Album?

M: Ein weitläufiger Freundeskreis in der Musikszene Londons und Istanbuls ermutigte uns, hier einiges auszuprobieren.

MUM: Ihr habt die Scheibe in diesen beiden Städten, Istanbul und London, aufgenommen. Warum habt ihr diese Städte gewählt, und wie hat sich Euer Aufenthaltsort auf die Musik ausgewirkt?

M: Dies war natürlich ein wichtiger Input, Städte wie London und Istanbul und deren Musiker haben Charme, Stimmungen, Reibungen, Gewürz und Energie auf dem Album hinterlassen.

MUM: Was wollt Ihr mit Euren Texten aussagen?

M: Die Texte verarbeiten unser Leben, kleine Geschichten, durchaus philosophischer Natur. Nicht Brachialmessages, aber Sachen mit Deepness.

MUM: Eure Musik ist sehr abwechslungsreich, sowohl stilistisch, als auch sprachlich. Habt Ihr daran hart gearbeitet, oder kommt Ihr automatisch zu dieser Vielfalt?

M: Das, was Du hörst, kommt natürlich und nicht konstruiert. Die verschiedenartige Herkunft der Bandmitglieder, Ihre Offenheit, die Fähigkeit, zusammen zu wachsen und auszuprobieren haben dieses Album ermöglicht.

MUM: Welches Stück gefällt Euch am besten auf der CD? Bei mir sind es "Ay Aman Ay" und "Mambo".

M: Das ist verschieden, auf jeden Fall sind "Mambo" und "Ay Aman Ay" sehr starke Songs.

MUM: Warum heißt die CD eigentlich "Super Ethno Astronaut"?

M: Das bedeutet spacey, frisch, ethnisch, deep.

MUM: Habt Ihr irgendwelche Vorbilder oder Bands, die Euch beeinflußt haben?

M: Influeces gibt es viele, ob aus dem Jazz, Pop, Funk, anatolischem Folk, Klassik, was auch immer. Herbie Hancock, Me ´Shell O ´Degeocello, Prince, Beatles, The Clash, Sezen Aksu usw.

MUM: Wie wird Eure Musik in der österreichischen Musikszene angenommen?

M: Unsere Musik ist nicht gerade typisch österreichisch, das heißt zwar die Menschen sind offen für Neues, aber es erreicht sie nicht unbedingt. Presse und Musikszene sind begeistert, Formatradios und Fernsehen befinden sich im Koma.

MUM: Nenn bitte Deine drei Lieblingsalben aller Zeit.

M: "Orient de Lux" von Sezen Aksu, "Sign ´O The Times" von Prince und "Plantation Lullabies" von Me´Shell O´Degeocello.

MUM: Was kann man in den nächsten Monaten von Euch erwarten, was steht an (Tour, Single)?

M: "Mambo" soll es in Deutschland als Single geben. Je nach Erfolg wird es Gigs usw. geben. Time will tell.

MUM = Mucke & Mehr
M = Mario von MC Sultan

(Tobi)