CTS-MUM
OPM (02/01)


Sie kommen aus Kalifornien, sie sehen nach Punkrock aus, haben ihre Heimat aber im HipHop gefunden - OPM. Matthew (aka Shakey Lo the Kreation Kid), John E. Necro und Casper (aka Geoff Turney) machen nicht nur gute Musik, sie sind auch für jeden Spaß zu haben, ob sie sich bei ihrem energiegeladenen "TV Total"-Auftritt auf den herumrobbenden Stefan Raab werfen oder auf ihrer Webseite die witzigsten Erlebnisse ihres Banddaseins reflektieren. Warum das überhaupt jemanden interessiert? OPMs Debütsingle "Heaven Is A Halfpipe" ist dabei, zu einer der Skaterhymnen überhaupt zu avancieren, und das dazugehörige Album "Menace To Sobriety" ist ebenfalls alles andere als langweilig, mit verschieden beeinflusstem HipHop, der gute Laune macht. Als Gäste hat man mit Eric Avery von Jane's Addiction, Angelo Moore von Fishbone, Asdrubal Sierra und Ulises Bella von Ozomatli, Melvin Gibbs (angesehener Jazz-Bassist und ehemaliges Mitglied der Rollins Band), Linus of Hollywood (Smashing Pumpkins, Lil' Kim), Mickey "Huidos" Huidobro von Molotov, DJ Swamp (Beck), Bassit Sean-E Demott (Famous) und DJ Malcolm Micheles (Garbage) ein illustres Paket an Leuten ins Studio geholt, die ihre persönliche Note hinterlassen durften. Wir entlockten einem mal spaßigen, mal ernster antwortenden Matthew einige Antworten.

MUM: Eure Wurzeln liegen ja eigentlich mehr im Punkrock oder Metal, wie kommt es also, dass ihr zwar wie Hardcore-Jungs ausseht, aber HipHop Musik macht, die natürlich von einigen anderen Stilen beeinflusst ist?

M: Also ehrlich gesagt bin ich so hardcore wie ein Marmeladen-Donut. John E und Geoff hören diesen Heavy Metal-Schwachsinn, ich habe schon immer mehr Reggae und HipHop gemocht. Wir hören alle recht verschiedene Stile, das macht aus OPM auch das, was es ist.

MUM: Ist eure Music eher eine reine Spaßsache für euch, oder wollt ihr euren Hörern auch etwas Ernstes sagen mit euren Texten?

M: Die Texte auf dem Album sind der Anfang des OPM-Manifestes, eine groß aufgezogene Abhandlung über das Dilemma der Angst in ihrer postmodernen Form, auf die exestenziellste Frage unserer Gegenwart hinauslaufend: "Who let the dogs out?".

MUM: Ihr habt eine Menge Gastmusiker mit auf dem Album. Seid ihr befreundet oder habt ihr sie erst während der Produktion kennen gelernt?

M: Nein, wir waren vorher nicht befreundet. Wir brauchten bei ein paar Songs Hilfe, und so haben wir eine Art Wunschzettel geschrieben, mit all unseren Lieblingsbands und -musikern aus Los Angeles, wie Fishbone, Jane's Addiction, Ozomotli und so. Dann haben wir die Leute eben angerufen, über Freunde von Freunden, das Management, die Labels, ganz egal - und jeder, den wir anriefen, war dafür zu haben und somit dabei.

MUM: Die meisten Stücke habt ihr mit Michael Patterson in eurem eigenen Studio in Los Angeles aufgenommen, einige aber auch von anderen produzieren lassen, meistens dann von Josh Deutsch und Craig Kallman in New York. Warum wolltet ihr zusätzlich mit anderen arbeiten?

M: Keine Ahnung, warum wir uns entschieden hatten, außerhalb Kaliforniens zu arbeiten. Wenn man versucht, im Winter in New York ein kalifornisches Album zu machen, dann ist das in etwa so, als wenn ein Eskimo versucht, sein Iglu am Strand von Miami zu bauen - das klappt eben nicht. Josh Deutsch ist der schlechteste Produzent auf dem Planeten. Er ist ein herablassener Arbeitsgaul, dessen übergroße Selbstverliebtheit nur eine Sache aus der wahren Natur seiner Genialität offenlegt: das sie nicht existiert. Wir haben mit Michael Patterson Monate gebraucht, um seine Fehler zu korrigieren.

MUM: Wenn ich eure Musik anhand anderer Künstler beschreiben sollte, dann würde ich wohl sagen, ihr befändet euch irgendwo zwischen Everlast und Smash Mouth. Was hältst du von dieser lausigen Definition, und diesen Künstlern?

M: Ich habe da schon einige viel lausigere Definitionen gehört, also sieh die mal nicht als so schlecht an. Everlast ist sehr cool, und als wir die Platte gemacht haben, da wurden wir sicher auch von seiner Art, HipHop mit Rock-Songwriting zu verschmelzen, beeinflusst. In Bezug auf Smash Mouth muss ich aber sagen, dass wir nicht unbedingt Fans der Jungs sind. Ich denke, textlich sind wir um einiges schärfer. Gut, die Jungs sind nicht nur scheiße, die haben Punk Rock und Ska in ihrem Sound, aber deren Texte sind so kantig wie ein Volleyball.

MUM: Wie sieht denn eure Live-Show aus. Macht ihr irgend etwas Besonderes?

M: Wir machen fette Stunts. Da gibt es zum Beispiel den Part des Konzerts, wenn wir begreifen, dass wir eigentlich keine Musiker sind, die ein Konzert spielen, sondern eher Sklaven einer Art künstlichen Intelligenz, die unser Bewusstsein in einer simulierten Realität namens "Matrix" gefangen hält. Wir beginnen dann, die bösen Agenten zu bekämpfen, die in der Zuschauermenge erscheinen. Das ist ziemlich toll.

MUM: Was für Bilder habt ihr so im Tourbus an der Wand hängen, und was hört ihr unterwegs am liebsten für Platten?

M: Ich bin verheiratet, habe daher nur Fotos meiner Frau mit auf Tour dabei. Einige meiner Lieblingsscheiben on the road sind "Rated R" von den Queens Of The Stone Age, "Sublime" von Sublime und "Catch A Fire" von Bob Marley.

MUM: Wenn du dir persönlich drei Bands aussuchen könntest, mit denen du auf Tour gehst, welche wären das?

M: No Doubt, No Doubt und No Doubt.

MUM: Was ist in naher Zukunft so bei euch los? Arbeitet ihr schon an neuen Songs?

M: Ja, machen wir schon, und auf Tour kommen wir auch.

MUM: Welche Frage wolltest du schon immer mal gestellt bekommen, und wie wäre die Antwort?

M: Die Frage wäre: "Wenn irgend ein Musiker wieder auferstehen könnte, nicht als böser Zombie, sondern cooler und freundlicher Geist, und ein privates Konzert für dich spielen würde, wen würdest du wählen?". Meine Antwort: "Bob Marley!"

MUM: Vielen Dank für das Interview.

MUM: Mucke & Mehr
M: Matthew von OPM

(Tobi)