CTS-MUM
VOODOO GLOW SKULLS (09/00)


Wer eine Mischung aus Punkrock und Ska mit einem Schuss Rock 'n' Roll mag, der kennt sicher die Voodoo Glow Skulls aus Riverside, Kalifornien. 1988 gründeten die drei Cassillas-Brüder Frank (Gesang), Eddie (Gitarre) und Jorge (Bass) die Band zusammen mit Jerry O'Neill an den Drums. Nach ersten Gehversuchen im Punkrock integrierte man 1991 in Person von Joe McNally (Trompete) und Joey Hernandez (Saxophon) Blasinstrumente in die Musik. Nach Touren mit den Mighty Mighty Bosstones, The Reverend Horton Heat, Offspring oder den Misfits veröffentlichte man auf dem Indie-Label Dr. Strange Records 1992 das Debütalbum "Who Is? This Is", welches die Aufmerksamkeit von Epitaph erhaschte, wo die Voodoo Glow Skulls dann ein Jahr später unterschrieben. Mit Brodie Johnson (Trombone) hatte man übrigens weiteren Zuwachs erhalten. 1995 erschien das Album "Firme", welches man ein Jahr später auch nochmal als spanische Version an den Start schickte. 1997 folgte "Baile De Los Locos", 1998 "The Band Geek Mafia", und beide Alben zeigten, dass man endgültig seinen Stil gefunden hatte. Nun gibt es einen neuen Longplayer, "Symbolic", auf dem sich die Voodoo Glow Skulls treu bleiben und mächtig Stimmung machen. Als Gäste auf dem Album hat man sich Jim "Reverend Horton Heat" Heath und Mark von Guttermouth ins Studio geholt, produziert hat Epitaph-Boss Brett Gurewitz höchstpersönlich. Nicht mehr dabei ist Joe, der das Bandleben gegen einen normalen Job getauscht hat. Hierüber, über das Album und über einiges mehr sprachen wir mit Frank.

MUM: Wo siehst du die größten Unterschiede, wenn du "Symbolic" mit "The Band Geek Mafia" vergleichst?

F: Ich denke, das neue Album klingt reifer, wir haben uns weiterentwickelt. Wir sind inzwischen nicht nur bessere Musiker geworden, sondern auch bessere Songwriter.

MUM: Wenn man mal an den Anfang eurer Karriere zurückblickt, wie klang eure Musik damals?

F: Als wir begannen, da wussten wir nicht, welche Richtung wir denn eigentlich einschlagen wollen. Wir hatten zum Beispiel keinerlei Bläser. Als wir uns dann weiterentwickelten, wurde einiges klarer. Unser Sound begann, das zu werden, was er in den letzten vier bis sechs Jahren jetzt geworden ist, durch ständige Praxis, ständiges Livespielen.

MUM: Im Info zur neuen Scheibe liest man, dass es beinahe unmöglich sei, euren Stil zu beschreiben. Wie würdest du ihn denn jemandem umschreiben, der euch noch nie gehört hat?

F: Als vorstädtisch beeinflussten Rock 'n' Roll mit etwas Twist.

MUM: Was wollt ihr mit euren Texten ausdrücken?

F: Die Realität.

MUM: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Jim und Mark?

F: Sie sind beide Freunde von uns, wir haben ein gutes Verhältnis zueinander. Wir haben sie also einfach gefragt, ob sie Lust hätten, als Gäste dabei zu sein. Mark ist ein witziger, kontroverser Frontmann. Jim ist ein wundervoller, moderner Gitarrist mit Einflüssen aus altem Rock 'n' Roll.

MUM: Hast du ein Lieblingsstück auf dem neuen Album?

F: Ja, ich mag "Silencer" sehr, weil er eine starke anti-rassistische Message beinhaltet. Er handelt von einer Situation, die in unserer Stadt wirklich passiert ist. Vier weiße Polizisten haben eine schwarze Frau umgebracht, während sie in ihrem Auto geschlafen hat. Da gab es schwere Unruhen hier in Riverside, Kalifornien. Der Song ist also absolut real.

MUM: Ihr habt in eurer Karriere schon mit vielen anderen Bands zusammen gespielt. Mit wem hattet ihr am meisten Spaß?

F: Ich denke, am besten war die Warped Tour 1998. Da gab es verschiedene coole Bands, und bei jeder Show war das Publikum klasse.

MUM: Wenn du dir selbst ein Line Up für solch eine Festival Tour zusammenstellen könntest, wer wäre dabei?

F: Iron Maiden, Black Sabbath, Madness, die alten Specials und die Red Hot Chili Peppers.

MUM: Joe hat euch wirklich verlassen, um einem geregelten Job nachzugehen? Gab es denn wirklich keinen Weg, ihn in der Band zu halten?

F: Joe hat aus persönlichen Gründen hingeworfen. Bis es soweit war, hatten wir alle keinerlei Ahnung, dass er es plant. Wir haben natürlich versucht, ihm das auszureden. Als er die Band verließ, fühlten wir uns alle verarscht. Inzwischen ist jeder froh, dass er gegangen ist, wir sind alle noch mehr zusammengewachsen.

MUM: Wie arbeitet es sich mit Brett als Produzenten? Ist es nicht auch irgendwie merkwürdig, vom allmächtigen Labelboss produziert zu werden?

F: Brett ist cool. Er ist sehr talentiert und kommt einen nicht ins Gehege. Gleichzeitig bezieht er aber klar Stellung.

MUM: Was war das Beste, was dir in zwölf Jahren Bandgeschichte passiert ist, was das Schlechteste?

F: das Beste war, dass wir von Epitaph unter Vertrag genommen wurden, das hat uns auf ein ganz anderes Level gebracht. Das Mieseste war, dass wir zwei Manager hatten, die uns betrogen haben.

MUM: Als ihr in Deutschland gespielt habt, was hat dir am besten hier gefallen, was nicht?

F: Die ersten Male, wo wir in Deutschland gespielt haben, war es cool. Wir waren auf einer Festival-Tour mit einigen europäischen, bekannten Bands. Die Stimmung war klasse, wir spielten vor enthusiastischen Fans. Was scheiße ist, sind die steuerlichen Abgaben, die du als Künstler blechen musst, wir zahlen da jede Menge in eurem Land.

MUM: Was kann man in naher Zukunft von euch erwarten?

F: Noch mehr Touren.

MUM: Vielen Dank für das Interview.

MUM: Mucke & Mehr
F: Frank von den Voodoo Glow Skulls

(Tobi)